Made in Germany

Wer sich auf die Suche nach dem Ursprung des Erfolgs von Produkten „Made in Germany" macht, könnte bei den mächtigen Metropolen anfangen, den Motoren der Nation. Seit Jahren blickt die ganze Welt auf das Treiben in der aufstrebenden Hauptstadt mit seinen bärtigen Talenten, internationalen Investoren und brandneuen Start-Ups. Wer sich aber wirklich mit „Made in Germany" beschäftigt, stellt schnell fest, dass es sich dabei nicht um ein bloßes Herkunftssiegel handelt. Und dass Werte dahinter stecken, die man in der anonymen Großstadt eher vergeblich sucht. Wenn man die Wiege der deutschen Wertarbeit und Wirtschaft dennoch an einem Ort festmachen wollte, wo würde dieser dann liegen?

Im südlichsten Winkel Deutschlands, in einem Bundesland, das in seinen uralten Bräuchen und Traditionen ruht und gleichzeitig so produktiv ist wie kein anderes: Baden-Württemberg. Nirgendwo gibt es mehr industriellen Mittelstand. Alle paar Dörfer trifft man einen Unternehmer, der mit seinem Familienbetrieb den Weltmarkt dirigiert - tatsächlich hat Baden-Württemberg die größte Weltmarktführerdichte pro Einwohner überhaupt! Wenn man glaubt, heutzutage wurde schon alles erfunden und gebaut, dann finden die Schwaben trotzdem eine Nische, in die sie ein Produkt setzen können.

Dabei wollen sie die Welt gar nicht verändern. Sie lieben einfach nur ganz ehrlich ihre Produkte und ihr Handwerk. Dieses bescheidene Völkchen posaunt seine Erfolge niemals in die Menschheit hinaus. Die Leute schwingen keine großen Reden, sie protzen nicht, sie schwätzen nicht. Sie arbeiten lieber. Am nächsten Firmenimperium, an der nächsten Erfindung oder - frei nach dem schwäbischem Mantra „Schaffe, schaffe, Häusle baue" - am persönlichen Wohlstand. Denn das ist es, was die Schwaben ohnehin am besten können und am meisten lieben: das Arbeiten.

So ist das auch bei Rolf Benz. Wir gehören zu den in Baden­ Württemberg angesiedelten mittelständischen Unternehmen, die es mit guten Produkten zu etwas gebracht haben (nicht dass Sie denken, wir protzen, aber insgeheim wissen wir natürlich, dass es ausgezeichnete Produkte sind). Wir stellen Polstermöbel her, genauer gesagt Sofas, Sessel und gepolsterte Stühle, die in Mötzingen am Rande des Schwarzwalds gefertigt werden.

Hier auf dem Land gibt es nichts, das uns ablenken könnte, wie etwa in der Großstadt. Und das wollen wir auch gar nicht. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen -das gilt nicht für uns, denn wir empfinden schon die Arbeit als Vergnügen.

Allein der schwäbische Wortlaut „schaffen", der dem gewöhnlichen Begriff „arbeiten" entspricht, verrät schon die Bedeutung, die das Arbeiten für uns hat. Es ist ein Gestaltungsprozess, etwas Schöpferisches, eine Bereicherung, eine Leistung. Die Herstellung eines Sofas ist von der Konzeption bis zur Konstruktion ein kreativer Vorgang. Wir sind bemüht, eine Designsprache zu entwickeln, die auf der Höhe der Zeit ist und den Geschmack der Menschen von Prag bis Shanghai trifft. Wir wollen Trends erahnen und in die Zukunft blicken, damit unsere Sofas irgendwann zu mehr werden -zu Ikonen und Klassikern.

Kreativität und Originalität? Sind das Eigenschaften, die man dem bürgerlichen Schwarzwald zutraut? Tatsächlich sind es einerseits feste Regeln und Raster, die es uns erlauben, im Denken frei und unbeschwert zu sein. Und das Einhalten von Regeln wiederum ist sehr schwäbisch. Wenn es um Ordnung und Gebote geht, haben wir fast schon ein manisches Pflichtbewusstsein. Doch tief im Inneren keimte sicherlich bei jedem von uns schon einmal der Gedanke auf, den Kehrwochen-Hinweis zuhause einfach zu ignorieren. Eine schildgewordene Anordnung, die wir von Tür zu Tür weiterreichen, um die Stockwerke, Treppenhäuser und Gehwege für sich und seine liebsten Mitmenschen zu säubern. Wir finden, das Entstauben könnte auch dem traditionellen Regelwerk nicht schaden. Denn das ist die zweite Komponente, die unsere Kreativität überhaupt erst gedeihen lässt: Genuss und Freude an den schönen Dingen des Lebens.

Mit der Lockerheit unserer Nachbarn und ihrem französischen Laisser-­Faire können wir nicht mithalten. Auch nicht mit den Kollegen weiter im Süden, wo es die spanische Siesta gibt oder gar den italienischen Mezzogiorno, der ganze Ortschaften pünktlich zum Kirchturmschlag in leergefegte Geisterstädte mit verriegelten Ladentoren verwandelt. Wir bevorzugen unsere Mittagspausen eben kurz. Aber wir leben in einem Bundesland, das Geschmack und Genuss mindestens genauso zelebriert wie die Südländer! Schließlich werden nirgendwo so viele Restaurants mit Michelin Sternen ausgezeichnet wie hier. Was wiederum nicht verwunderlich ist, wenn man davon ausgeht, dass auch die schwäbischen Köche nichts lieber tun als kochen.

Tatsächlich liegt das Geheimnis des „sagen-umwobenen" Sitzkomforts im Genuss. Wenn wir die Sofapolsterung konzipieren und konstruieren, auf der Sie sich später in Allerseelenruhe wälzen können, dann gelingt sie uns deshalb so gut, weil wir selbst nichts mehr lieben als das Entspannen nach getaner Arbeit. Auch wenn Sie es nicht glauben wollen - wir sind eben auch Experten darin, uns auf dem Sofa auszustrecken, die Kissen um uns zu scharen und völlig sorglos dem Nichtstun zu frönen.

Was also bedeutet für uns „Made in Germany"? Sie haben bereits einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Es sind typische deutsche Tugenden wie Ordnung, Gewissenhaftigkeit und Disziplin, für die wir auf der ganzen Welt gleichzeitig bewundert und vielleicht auch ein bisschen belächelt werden. Werte, die einen strengen Anstrich haben, aber viel Gutes hervorbringen. Es ist das Zusammenspiel aus sehr, sehr schwäbischer Arbeitsmoral und einem überaus hohen Qualitätsanspruch, ja fast schon Qualitätsirrsinn. In den einzelnen Arbeitsschritten, durch die wir Sie nun hindurchführen wollen, werden Sie aber feststellen, dass die Erfolgsformel für Produkte „Made in Germany" dieselbe ist wie bei allen anderen Dingen in der Welt: Was mit Hingabe geschaffen wird, gelingt am besten.

Wenn es um den Bezug des Sofas geht, machen wir es Ihnen nicht leicht. Zur Qual der Wahl stehen 230 Stoffarten und 100 Ledersorten, von Schur-und Baumwolle über synthetische Fasern bis hin zu naturbelassenen oder pigmentierten Vollledern. Das Aussuchen ist keineswegs nur Geschmackssache, hier werden alle Sinne gefordert. Denken Sie an den Duft von neuem Nubuk Leder, an das lautlose Einsinken in weiche Viskose oder an den faszinierenden Schimmer eines Velourstoffes. Am meisten wird aber Ihr größtes Organ gefordert: die Haut. Schließlich korrespondiert die Hülle, die sie für Ihr Sofa wählen, mit Ihrer körpereigenen Hülle. Jeder hat ganz persönliche Vorlieben, doch wir können aus langjähriger Erfahrung sagen: Im deutschen Norden darf der Bezug den Wetterverhältnissen entsprechend rauer sein und sogar mal ein wenig kratzen. Je weiter gen Süden, desto anschmiegsamer und weicher muss das gewählte Material sein.

Wenn Ihre Haut das perfekte Pendant gefunden hat, beginnt unsere Arbeit im Stoff-und Lederlager. Hier ruhen die beliebtesten Materialsorten auf Lederböcken und in Stoffröhren wie in einer gigantischen Schatzkammer. Das ist nicht übertrieben, wenn man den Wert der Waren bedenkt -was hier aufbewahrt wird, ist das Kapital von Rolf Benz. Mehrmals pro Woche empfangen die Mitarbeiter eine neue Lieferung und verfolgen in der „Wareneingangskontrolle" ihren Eingang selbst und pedantisch genau. Nur einige wenige deutsche Stofflieferanten und Gerbereien, die sorgfältig und nachhaltig arbeiten und mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel" zertifiziert sind, gehören zum engsten Kreis der Zulieferer. Dieses Vertrauen ist hart verdientes Brot -bei uns Schwaben braucht es schon ein paar Begegnungen, bis wir von einer guten Zusammenarbeit überzeugt sind.

Wir verarbeiten jährlich mehrere Hunderttausend Quadratmeter Stoff und Leder zu Bezügen. Natürlich liegt uns das Rasterdenken, Kategorisieren und Ordnen im Blut, aber diese Mengen könnten auch wir nicht ohne die Hilfe von ausgeklügelten maschinellen Systemen stemmen. Deshalb kommen hier speziell für Rolf Benz entwickelte Technologien zum Einsatz. Bei Ledern beispielsweise arbeiten wir mit modernsten Leder­Scannern, um den Zuschnitt zu optimieren und den Verschnitt zu minimieren. Ein Mitarbeiter begutachtet unter dem Scanner jede einzelne Lederhaut, bewertet die Zahl der möglichen Einzelschnitte und definiert die Qualitätszonen. Hier trifft Hightech auf unberührte Natur. Wir sehen im Leder nämlich mehr als ein Material - es ist ein natürlicher Rohstoff. Die Haut eines Rinds, die das Tier einst geschützt hat. Eine Haut kauft man nicht wie Meterware ein. Sie kommt mit allen ihren naturgemäßen Merkmalen wie Insektenstichen, Dornenrissen, Narben, Haarwirbeln und Dehnungsstreifen daher. Sie machen das Leder erst zu einem wahren Naturprodukt. Weil aber nicht jeder beim Entspannen auf einem vollkommenen Sofa ständig darüber sinnieren will, wie das Leben des Tieres mit all seinen Turbulenzen wohl ausgesehen haben könnte, unterteilen der Scanner und das geschulte Mitarbeiterauge das Stück Haut in unterschiedliche Zonen, die je nach Beschaffenheit für augenfällige Oberflächen wie Sitzpolster und Lehnen oder für weniger sichtbare Teile unter dem Sofa verwendet werden.

Selbstverständlich gilt die gründliche Kontrolle auch für den angelieferten Stoff: Der Mitarbeiter scannt, prüft und tastet jeden Meter mit Hand und Auge ab. Beschädigungen, Zugfäden und Farbungleichheiten können wir so mit größtmöglicher Sicherheit ausschließen. Abschließend kategorisieren und lagern wir die Lederhäute und Stoffe.

Zum Schluss bleibt noch die Frage nach dem besten Material für ein Sofa. Nubukleder, Viskose, Velours? Für uns ist klar, dass jedes Material, das unser Warenlager verlässt, das Beste ist. Welches aber für Ihren Anspruch das Beste ist, bleibt ganz und gar Ihnen überlassen.

Der Einfallsreichtum beschränkt sich bei uns nicht auf das Designbüro. Abseits der Kreativkammer sorgt ein ausgeklügeltes System mit hocheffizienten Rechnern dafür, dass die sortierten und klassifizierten Bauteile eines jeden Auftrags pünktlich von A nach B kommen. Auf dem Weg vom Warenlager zum Zuschnitt vergleicht eine vollautomatische Zwischenlagerung die Kapazität unserer Arbeitskräfte mit dem Auftragsbestand der Kunden. So behalten wir die Kontrolle, können vorausschauend planen und wirklich jede Bestellung einzeln und individuell bearbeiten. Die einzige Ausnahme in diesem Prozess ist der Schritt des Stoff- und Lederzuschnitts. Verschiedene Aufträge werden hier zusammengefasst und gebündelt bearbeitet, um Ressourcen zu schonen und Verschnitt zu reduzieren. Anschließend sortieren wir die Zuschnitte wieder und ordnen sie den spezifischen Kundenaufträgen zu.

Es ist gar nicht verwunderlich, dass wir so überaus gern prüfen und planen, katalogisieren und klassifizieren. Schließlich fertigen wir genau das Sofa Ihrer Träume, das Sie sich ausgesucht, das Sie bestimmt und für sich bestellt haben. Wir richten uns nach Ihren Wünschen, nach Ihren Vorstellungen der Bezüge, Fußausführungen, Farbtönen, Oberflächen, Sitzkomfort-Varianten. Wenn man nicht alle Kunden über einen Kamm scheren kann, nimmt die Bearbeitung entsprechend mehr Zeit in Anspruch. Aber wir sind bei Rolf Benz auch durchaus stolz darauf, so kundenspezifisch zu arbeiten, dass Ihr Sofa fast schon an eine Maßanfertigung grenzt. In jedem Fall ist es ein für Sie individuell gefertigtes Einzelstück und schon bald Ihr neues Lieblingssofa. Ein kleines logistisches Wunder, wenn man bedenkt, dass sich die Zahl unserer gefertigten Sitzeinheiten jedes Jahr im sechsstelligen Bereich bewegt.

Im Zuschnitt der Stoffe und Leder zeigt sich, wie effizient und nachhaltig das Ergebnis ist, wenn Technologie auf Präzision trifft. Mensch und Maschine, Fingerspitzengefühl und Hightech finden beim Zuschnitt unserer Leder zusammen. Der optimale Schnittplan ist darauf ausgelegt, Verschnitt zu reduzieren und kommt aus dem Rechner; der Befehl ihn umzusetzen kommt vom Menschen. Zwei hochmoderne Ledercutter mit voll digitalisierten Schnittschablonen können bei uns täglich in zwei Schichten mehrere hundert Häute zuschneiden und für die Einlagerung zur Weiterbearbeitung vorbereiten. Gleichzeitig verarbeiten zwei Stoffcutter im Schichtbetrieb viele hundert Meter Stoff, und das Tag für Tag. Das ist effizient und ressourcenschonend. Wir haben uns eben ganz schön was einfallen lassen, damit wir den Überblick behalten, leistungsfähiger werden und nicht nur unser kostbares Material schonen, sondern auch Ihre Nerven - schließlich möchten wir Ihre Geduld beim Warten auf das perfekte Sofa nicht überstrapazieren. Übrigens: Falls Sie Ihrem Sitzmöbel nach vielen Jahren einen frischen Anstrich verpassen wollen, können Sie den Bezug nachbestellen, denn wir bewahren die Schnittschablonen Jahrzehnte in unserem System auf.

Anschließend werden alle Teile nochmals kontrolliert, denn sollte sich hier ein Fehler eingeschlichen haben, können wir ihn an dieser Stelle noch leicht ausbügeln - damit das Material perfekt vorbereitet ist für den nächsten Schritt, die Näherei.

Das ganze Stück Stoff oder Leder, das zum Schluss Ihr Rolf Benz Sofa umhüllt, kann aus bis zu 25 einzelnen Teilen bestehen. Wer in der Näherei an einem Bezug arbeitet, braucht ein Auge fürs Detail - und eines für das große Ganze. Deshalb liegen vor der Arbeit an den Nähmaschinen unzählige vorsorgliche Schritte, denn Nähen will gut vorbereitet sein.

Um einen Auftrag zu bearbeiten, nehmen wir die Leder und Stoffe, die unsere Kollegen aus dem Zuschnitt so schön vorgeschnitten, sortiert und etikettiert haben, aus grauen Kisten heraus und schicken sie in die sogenannte „Rohteilbearbeitung". Hier schärfen wir die Leder. Das heißt, wir schleifen die Schnittkanten flach, um sie besser mit anderen Lederstücken vernähen zu können. Außerdem schließen wir alle Teilungsnähte, setzen Ziernähte und Raffungen und umketteln Stoffe, damit sie nicht ausfransen.

Nun könnte man meinen, der Bezug sei nur die Hülle des Sofas und hätte keinen Einfluss auf den Sitzkomfort. Doch als Ingenieure des perfekten Sitzens haben wir uns schon bei der Entwicklung Gedanken dazu gemacht, wie jeder Arbeitsschritt auf seine Art dazu beitragen kann, dass Ihr Körper stets bequem gebettet ist. So auch im nächsten Schritt: Um später optimale Weichheit zu ermöglichen, untersteppen wir jedes einzelne Leder- oder Stoffteil eines Bezugs mit Watte. Dabei reichen nicht ein oder zwei Schichten, wir wählen je nach Modell die passenden aus bis zu 15 unterschiedlichen Wattestärken! So kann auch die Luft besser zirkulieren, was eine deutlich höhere Atmungsaktivität sichert. Die Watte garantiert auch, dass sich der Bezug nicht verkeilt und danach in der Polsterei leichter über das Polster rutscht. Wir arbeiten eben nicht nur hinsichtlich des Sitzkomforts vorausschauend, sondern denken immer auch schon an den nächsten Arbeitsschritt und unsere Kollegen.

Wir wären nicht die peniblen Komfortfanatiker, wenn wir nicht noch die Extrameile gegangen, einen zusätzlichen Produktionsschritt eingeplant hätten. Sehr weiche und dehnfähige Leder verbinden wir nämlich noch mit einem Vlies. Wir haben ziemlich lange an diesem Vliesstoff herumgebastelt. Ein großer Aufwand, der rein optisch völlig unbemerkt bleibt. Wobei, nicht ganz: Dieses Vlies sorgt dafür, dass besonders dehnfähige Leder sich weniger wellen. Wir finden, dass nach all dem Räkeln und Strecken auf dem Sofa auch der Bezug zur gewohnten Ordnung zurückkehren sollte.

Nach all diesen Arbeitsschritten geht es endlich ans Eingemachte, oder besser: ans Handgemachte: In der Näherei werden in Handarbeit die Teile eines Bezugs an den Nähmaschinen zusammengefügt. Hier sitzt jeder Stich, denn ein kompletter Bezug wird jeweils nur von einer Person in Eigenverantwortung genäht! Es gibt keinen prüfenderen Blick als den eigenen, und deshalb kontrollieren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Arbeit nach dem Nähvorgang auch selbst. Eine schiefe Naht kommt bei Rolf Benz nicht in Frage. Und sollte sich ganz am Ende doch ein Fehler einschleichen, wird die Naht wieder aufgetrennt, und alles fängt von vorne an. Das müssen Sie sich einmal vorstellen: Da geht es um mehr als die Qualitätssicherung - jedem unserer Kollegen ist es ein persönliches Anliegen, dass „sein" Bezug perfekt wird. Wo können Sie denn heute noch sagen, dass ein einzelner Koch für Sie ein Mehr­Gänge-Menü zubereitet, ein Bauarbeiter Ihre Wohnung im Alleingang renoviert hat? Die Näher und Näherinnen widmen all die Hingabe und Leidenschaft für ihren Beruf diesem einen Bezug. Und Sie werden diese Liebe spüren, wenn sie darauf sitzen.

Nun haben Sie erfahren, dass wir in der Rohteilbearbeitung und Näherei überaus vorausschauend arbeiten. Auch die Polsterei - das ist die Abteilung, die sich dem Sofa als nächstes annimmt - soll es von Anfang an leichter haben. Deshalb werden im letzten Schritt in der Näherei Schlingen und Schlaufen im Inneren der Bezüge angebracht, damit die es die Kollegen von der Polsterei leichter haben beim Beziehen. Die Bezüge eines vollständigen Auftrags lagern wir nun wieder ein, damit sich diese nach der Systemerfassung automatisch auf die Reise zur nächsten Station begeben können.

Wir haben uns viel mit den Äußerlichkeiten eines Sofas beschäftigt. Nun nähern wir uns dem Kern der Sache, dem Sitzpolster. Was ist das hübscheste Sofa wert, wenn es unbequem ist? So abgedroschen es klingen mag, aber wahre Schönheit kommt wirklich von Innen, denn neben dem Anblick ist es vor allem das fantastische Sitzgefühl, das unsere Rolf Benz Sofas so bekannt und beliebt gemacht hat. In der Vorpolsterei wird also Außen und Innen eins. Dreizehn offene Arbeitskabinen gewähren Einblick in die Arbeitsschritte, die alle Bestandteile eines Sofas miteinander verbinden: Gestell, Bezug, Schaumstoffe, Füße, Beschläge, Schrauben und andere Funktionsteile.

Die Gestelle beziehen wir aus dem nahen Städtchen Pfalzgrafenweiler, in dem unser eigenes Werk beheimatet ist. Die Mitarbeiter produzieren dort täglich Hunderte Gestelle für Rolf Benz, die sie gewissenhaft sägen, verleimen, hämmern, zusammenschrauben, tackern und mit Nosag­oder Wellenfedern ausrüsten. Unser dezentrales, logistikorientiertes Organisations- und Steuerungskonzept sorgt dafür, dass die richtigen Bauteile in der passenden Stückzahl genau dann produziert und geliefert werden, wenn wir sie auch tatsächlich zur Erfüllung der Kundenaufträge benötigen. Eine Punktlandung geboren aus typisch deutscher Pünktlichkeit gepaart mit schwäbischem Planungsvermögen. Warum das Ganze? Weil dabei weniger herauskommt: kürzere Durchlaufzeiten, reduzierte Lagerplätze und geringe Kapitalbindung. Zeitgleich werden in unserer Vorpolsterei auch alle anderen Bauteile Ihres zukünftigen Sofas auf bereitgestellten Rollwagen zu einer der Arbeitskabinen gebracht. Hartes trifft hier nun auf Weiches; Holz begegnet Schaum in verschiedenen Stärken.

Wir haben sie wahrlich verinnerlicht, die Philosophie des richtigen Sitzens. Die Ansprüche des menschlichen Körpers sind kompliziert, deshalb ist gute Sofafertigung komplex. Mehrere verschieden harte Schaumstoffe werden für den perfekten Polsteraufbau miteinander verklebt, getackert und mit dem Holzrahmen verbunden. Wir nennen es „progressiven Sitzaufbau": An jener Stelle der Sitzeinheit, die Ihr Gesäß gebührt, soll der Schaumstoff weicher sein, hier will Ihr Körper ja später einmal wohlig gebettet sein. Am vorderen Polsterrand jedoch brauchen die Beine Halt und eine Stütze, weshalb wir extra in diesem Bereich einen härteren Schaumstoff verkleben. Gut zu sitzen bedeutet, dass Sie in dieser Körperhaltung nichts Unangenehmes spüren: kein taubes Gefühl im Gesäßbereich, keine Verspannungen im Rücken, kein Ziehen in den Oberschenkeln. Der Anatomie des Menschen folgt die Anatomie des Sofas.

Unsere Vorpolsterei bearbeitet deshalb die Unterfederung eines Sofas sensibel und detailversessen. Es gilt wieder einmal: Ohne Fleiß kein Preis. Unsere ausgetüftelte „Sandwichbauweise", in der verschiedene, hochqualitative Schaumstoffe schichtweise miteinander verklebt werden, dient nur einem einzigen Ziel: Ihrem individuellen Anspruch zu entsprechen, Ihr perfektes Sitzgefühl zu erfüllen - und zwar qualitativ so perfekt, dass Sie möglichst auch noch nach vielen Jahren den selben Sitzkomfort auf Ihrem Sofa erleben wie am ersten Tag.

Wenn alles zusammen gewachsen ist, was zusammengehört, dann ergibt das am Ende ein komplett vorgepolstertes Gestell mitsamt Husse, der Möbelschutzhülle. Zwar wird auch mit Wellenfedern und klassischen Spanngurten unterpolstert, doch die Hauptrolle beim Aufbau eines Polsters spielt die Qualität des Schaumstoffs. Welche Art von Sitzkomfort mit welcher Polsterung Sie bevorzugen, entscheiden wie immer Sie. Früher saß man gerne steifer, heute geht der Trend zu weichen Polstern. Ein sehr sinnliches, wohlig warmes Sitzgefühl wird von der Mehrzahl der Kunden gewünscht. Ob man nun aber lustvoll und weich einsinken will oder doch etwas weniger weiche Polster bevorzugt, das bleibt jedem selbst überlassen.

Kommt es bei den Arbeitsschritten vom Zuschnitt bis zur Näherei vor allem auf Präzision an, ist in der Polsterei vor allem eines gefragt: Power pur! Doch damit jeder Handgriff ordnungsgemäß sitzt, bedarf es nicht nur Muskelkraft sondern auch eines wachen Köpfchens. Unsere Mitarbeiter/­innen in der Polsterei sind wahre Meister ihres Fachs: Den Sofabezug, jene edle Haut aus Leder oder Stoff, ziehen sie ebenso kraftvoll wie kunstvoll über den Möbelkorpus. Sie straffen und schütteln, damit er wie angegossen sitzt. Perfekt und dennoch lässig, mit ein wenig lockerem Spielraum, soll das Kleid den Korpus umschmeicheln.

Das Sofa ist mittlerweile am Ende seiner Reise angelangt. Bei der abschließenden Montage von Bezug, Polstern, Füßen und Latten werden noch einmal ordentlich Kalorien verbrannt, bis der Polsterer mit einer persönlichen Signatur auf dem Gütepass seine Arbeit besiegelt. Auch in dieser Abteilung herrscht das bewährte Zuordnungsprinzip: An jedem unserer fertigen Sofas kann jeder getätigte Handgriff zurückverfolgt werden. Wenn unsere Mitarbeiter aus der Polsterei ihren Feierabend auf dem Sofa genießen, dann tun sie das nicht nur wohlverdient, sondern auch mit einem guten Gewissen. Nicht nur, weil sie körperlich ganze Arbeit geleistet haben, sondern weil sie auch für deren Qualität garantieren. Verantwortungsbewusstsein ist eine der Tugenden, die Rolf Benz sich auf die Fahnen schreiben kann. Unsere Mitarbeiter beweisen das jeden Tag auf's Neue.

Am Ende der Fertigung kommt - Sie haben es sicherlich schon vermutet - nochmal eine Überprüfung, nämlich die berüchtigte Endkontrolle. Wir bauen Ihr Sofa einmal komplett auf und stellen es auf ein Podest. Jedes einzelne von Rolf Benz gefertigten Sofas muss sich dieser letzten Untersuchung unterziehen. Bis auf zugelieferte Teile, wie z.B. Spritzgüsse, Schäume und Metallfüße haben wir bis dahin alles selbstgemacht, oftmals sogar handgemacht. Die zugelieferten Teile wurden ohnehin doppelt und dreifach kontrolliert, aber am Ende sind wir trotzdem gespannt, ob Ihr Sofa, das nun so stolz und prächtig auf seiner Präsentationsfläche thront, auch wirklich von Kopfstütze bis Fuß so perfekt ist, wie es scheint.

Mit geschärften Sinnen begutachten, kontrollieren, prüfen, inspizieren, untersuchen, testen und ertasten wir alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Funktionieren bewegliche Teile? Weist der Bezug auch keinen Makel auf oder gibt es irgendwo eine ungewollte Farbnuance? Sitzt alles da, wo es sitzen soll? Täglich hoffen viele hundert Sofas, Sessel, Tische und Stühle auf die endgültige Freigabe durch den Prüfer. Wird diese erteilt, kann Ihr Sofa für den Transport vorbereitet werden. Dieser Schritt ist nicht zu unterschätzen, da die meisten Schäden bei der Verpackung und Beförderung entstehen. Nicht jedoch bei Rolf Benz. Wir verpacken es sachgerecht, extra mit Kantenschutzleisten versehen, mit Luftpolsterfolie ummantelt und für spezielle Reiseboxen bereitgestellt. So geschützt könnte man auch einen Rembrandt oder Picasso auf Reisen schicken.

Der ganze Prozess vom Briefing der Chefdesigner/-in, den Zeichnungen und dem finalen Design eines Rolf Benz Sofas kann bis zu ein Jahr dauern. Nach der Entwicklung, Ihrer Bestellung und der Fertigstellung hat also jedes Sofa schon unzählige Stationen hinter und noch ein ganzes fantastisches Leben vor sich. Denn schließlich gehören Sofas Made in Germany zu den langlebigsten und hochwertigsten überhaupt! Es ist das Resultat aus deutscher Wertarbeit - perfekt durchdacht und effizient gemacht. Ein Resultat, eigentlich zum Niederknien; aber doch eher um sich darauf zu setzen.

Ihr großartiges Sofa ist nun mehr als bereit. Von seinem Geburtsort, dem baden-württembergischen Mötzingen am Rande des schönen Schwarzwalds, nimmt es seinen Weg hinaus in die Welt - und hinein in Ihr Haus. In Ihre Wohnung. In Ihr Leben.  

Sie haben nun einen Blick hinter die Kulissen eines der bekanntesten deutschen Möbelbau-Unternehmen geworfen. Sie haben Schritt für Schritt erlebt, wie Ihr Sofa geschaffen und gebaut wird. Sie haben erfahren, welche Werte und Tugenden für die Fertigung eines Sofas Made in Germany nicht nur vorteilhaft, sondern unabdingbar sind.

Welche deutsche und typisch schwäbische Eigenschaft ist denn nun am wichtigsten: Fleiß, Disziplin, Ordnung oder Gewissenhaftigkeit? Wir würden sagen, es ist keine der lokalen oder nationalen Eigenheiten. Viel mehr ist es eine sehr globale Einstellung. Eine universell gültige Haltung, die wir vielleicht nie explizit benannt haben, die aber in all unserem Denken und Tun steckt: Leidenschaft.

Wir Designer, Ingenieure, Möbelkonstrukteure von Rolf Benz mögen streng und rechtschaffen wirken, aber in uns lodert ein Feuer, das uns jeden Tag für unsere Polstermöbel brennen lässt. Wir lieben es, uns täglich Gedanken zu machen über Ihren Sitzkomfort. Über Halt und Haltung, über Ergonomie und Anatomie, über Materialien, Form und Funktion, über die Art und Weise weicher oder festerer Polsterung. Wir lieben es, das Ergebnis vor Augen zu haben und mit strengem Blick zu prüfen. Wir würden es auch lieben, beim Geschenkeauspacken dabei zu sein - ja, ganz recht, wir wären gerne persönlich anwesend, wenn Sie Ihr Sofa in Empfang nehmen. Natürlich geht das nicht, aus logistischen wie privaten Gründen. Denn dieser Moment gehört ganz Ihnen: Wenn Sie sich endlich auf dem Sofa niederlassen, das Sie sich erträumt haben. Auf dem Sofa, das in Deutschland gemacht wurde. Vor allem aber: für Sie gemacht.