Keine halben Sachen

Ein "Zuhause auf Zeit" hat der Innenarchitekt Cord Glantz von Geplan Design für das b'mine Hotel am Frankfurter Flughafen geschaffen. Platz nehmen dürfen die Gäste auf Möbeln von Rolf Benz. Das Konzept erklärt er den HerausgeberInnen von Stylepark im Interview.

Franziska von Schumann: Herr Glantz, "Halbe Sachen sind nicht unser Fall" ist ein Zitat von Ihnen. Wie kann ich mir Ihre Herangehensweise an ein Hotelprojekt wie das b'mine vorstellen?

Cord Glantz: Für unsere Arbeit ist es von großer Bedeutung bereits sehr früh in die Planungsphase integriert zu sein. Erst zu beginnen, wenn die ArchitektInnen mit ihrem Anteil fertig sind, ist für uns nicht der richtige Weg. Die Addition der Zimmer ergibt den Hochbau und das b'mine ist zudem aus dem Modul heraus entworfen. Zur Planung der Innenarchitektur gehört unter anderem die Festlegung der Funktionszonen, wo zum Beispiel die Küche im Haus platziert wird. Für die Gastronomie braucht es im Anschluss kurze Laufwege, der Raum muss übersichtlich gestaltet sein, damit das Personal die Bedürfnisse der Gäste erkennen kann. Diese umfassende Planung ist nur möglich, wenn die InnenarchitektInnen von Anfang an den Prozess begleiten können. Wir übernehmen auch die Bauleitung und kümmern uns nach der Fertigstellung um die fotografische Dokumentation. Sprich es geht vom ersten Atemzug eines Projekts darum mit dem Angebot der Zielgruppe zu entsprechen. Keine halben Sachen eben.

Robert Volhard: Im Vorgespräch haben Sie erwähnt, dass Sie die Grundrisse für das Hotel bereits vor einigen Jahren entwickelt haben. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Cord Glantz: Ich bin vor über zehn Jahren von den Entwicklern des "CarLofts", heute b'mine, für ein gemeinsames Projekt angesprochen worden und in der Zusammenarbeit ist die Idee eines einfachen Gebäudekörpers mit wenigen Zimmertypen entstanden. Kleine Räume, die alles bieten was die Gäste benötigen. Die Möbel von Rolf Benz sind langlebig, gut durchdacht und passen daher hervorragend in das Konzept. Das b'mine in Frankfurt ist das erste Hotel der Gruppe, das eröffnet wird und weltweit einzigartig.

Robert Volhard: Gab es weitere Gründe, warum Sie sich für Möbel von Rolf Benz entschieden haben?

Cord Glantz: Wir haben die Zielgruppe analysiert und nach einer Marke gesucht, die zu dieser passt und auch von ihr erkannt wird. Rolf Benz und b'mine passen einfach zusammen: Hohe Qualität, Sinn für das Wesentliche und eine Liebe zum Detail. Die Langlebigkeit ist zudem ein Garant für die Nachhaltigkeit der Innenausstattung. Dazu kommt, dass Rolf Benz als Hersteller sehr flexibel auf unsere Wünsche reagieren konnte.

Franziska von Schumann: Welche Anpassungen wurden an dem Design von Rolf Benz für das b'mine im Detail vorgenommen?

Cord Glantz: Unter anderem haben wir die Sitzhöhe der ausgewählten Möbel verändert. Wir wollten Sofas und Sessel gegenüberstellen, die genau die gleiche Polsterhöhe haben. Ebenso hatten wir eigene Ideen für die Farbe der Bezüge und für das Fußgestell, denn das sollte aus echtem Nussbaum sein, nicht nur gebeizt. Rolf Benz konnte uns alle diese Sonderwünsche erfüllen. Es gibt kaum einen Möbelhersteller, der das leisten kann.

Robert Volhard: "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler" ist ein Motto von Ihnen, sprich die Gestaltung muss zielgruppenorientiert sein. Welche Köder für welche Fische haben Sie im b'mine ausgelegt?

Cord Glantz: Nachdem wir die Zielgruppe der überwiegend jüngeren Businessreisenden festgelegt hatten, haben wir Befragungen durchgeführt, um herauszufinden, was diesen Personen in einem Hotel wichtig ist. Sicherheit ist ein großes Thema, ebenso wie großzügige öffentliche Bereiche, die komfortabel sind und die Möglichkeit bieten, sich in spontanen Meetings austauschen zu können. Basierend auf diesen Erkenntnissen haben wir Sitzhöhen festgelegt, die die Kommunikation fördern, aber auch die Farben und Materialien für die Räume ausgewählt, wie Böden aus Massivholz, oder Wände aus Kunststein in den Bädern. Die Zimmer bieten zudem multifunktionale Flächen, sie sind leicht zu reinigen und so ausgerichtet, dass man während des kurzen Aufenthaltes entspannen kann, aber auch in Eile gut zurechtkommt.

Franziska von Schumann: Für das Konzept war sicher auch der Standort entscheidend.

Cord Glantz: Ja, die Nähe zum Flughafen ist grundlegend, obwohl das Konzept des b'mine ebenso für eine Vervielfältigung gedacht ist. Die Zimmertypen werden auch in anderen Städten aufgenommen, und auch dort wird eine regional ausgerichtete Gestaltung kaum stattfinden. Frankfurt am Main und speziell der Flughafen ist der Drehpunkt für Europa, deswegen passt dieses offene, international orientierte Hotelkonzept perfekt hierhin. Für gute Häuser wird es immer genug Gäste geben, auch in der Pandemie.

Robert Volhard: Wie sehr haben Sie zu der Entscheidung beitragen können, dass das Restaurant im 12. Stock platziert ist und auch von Gästen besucht werden kann, die nicht im Hotel übernachten?

Cord Glantz: Das war eine gemeinsame Entwicklung. Das Restaurant im 12. Stock mit einem herrlichen Panoramablick und die Zugänglichkeit der Räume auch für spontane BesucherInnen war uns wichtig, weil das Außergewöhnliche zum USP des b'mine gehört.

Franziska von Schumann: Tauschen Sie sich in der Planungsphase mit Ihrem Zwillingsbruder über das Projekt aus oder sind ihre Schreibtische getrennt?

Cord Glantz: Wir sind eineiige Zwillinge und haben gemeinsam studiert, waren aber zwischenzeitlich beruflich voneinander getrennt. Als ich Geplan Design übernommen habe, ist mein Bruder Rolf wieder in das Unternehmen zurückgekehrt. Jeder hat eigene Projekte, aber wir entscheiden auch einiges gemeinsam und können uns dabei immer aufeinander verlassen, es gibt ein blindes Vertrauen und das gleiche Verständnis für die Dinge. Wenn ich dem Raum verlasse und er ihn stattdessen betritt, könnte er meinen Satz weiterführen. Das ist das Schöne, weil ich weiß, dass er in meinem Sinne entscheidet und ich in seinem. Dazu ergänzen wir uns gut, ich bin mehr ein chaotischer Typ und er bringt sehr viel Struktur mit ein.

Robert Volhard: "Wenn Design nicht funktioniert, ist es eigentlich keines" ist ein Motto von ihnen. Was funktioniert am Design von Rolf Benz so gut?

Cord Glantz: Wenn Design die Funktion nicht befördert, dann ist es kein Design. In der Entwicklung des Industriedesigns geht es um Funktion und wir versuchen in unseren Projekten diesen Fokus zu unterstreichen. Die Ästhetik und die Funktion übereinzubringen ist die Herausforderung. Die Architekten Herzog & de Meuron haben zudem einmal gesagt 'Von Architektur spricht man dann, wenn der Mensch berührt ist'. Das finde ich eine schöne Aussage, die auch auf das b'mine zutrifft, denn mit unserer Arbeit versuchen wir durch Licht, Material und Farbe eine angenehme Stimmung zu schaffen, die die Gäste erreicht.

Robert Volhard: Wenn man das Restaurant des Hotels betritt, hat man den Eindruck, dass Sie auch das Thema Akustik bedacht haben.

Cord Glantz: Ja, die Decke im Restaurant ist akustisch hochwirksam, das war uns ein großes Anliegen. Wenn die Akustik nicht stimmt, bleiben die Gäste nur kurz, bestellen vielleicht auch keine zweite Flasche Wein. Auch in den Zimmern und Besprechungsräumen ist die Akustik sehr wichtig. Die Nachhallzeit ist messbar und wenn Räume lange Nachhallzeiten haben, werden sie als kühl wahrgenommen, egal wieviel Arbeit in die kreative Gestaltung investiert wurde. Die Akustik muss man daher immer in die Planung der Innenarchitektur miteinbeziehen.

Franziska von Schumann: Das Hotel b'mine bietet "Car Lifts" an, sprich das Fahrzeug steht dann nur durch eine Scheibe getrennt vor dem Bett der Gäste. Gleichzeitig möchte man als Gast nicht das Gefühl haben, in einer Garage zu schlafen. Wie haben Sie diese Aufgabenstellung gelöst?

Cord Glantz: In erster Linie war das eine architektonische Aufgabe, denn das Auto steht in der Loggia auf der Terrasse vor dem eigentlichen Zimmer. Die Fassade ist hochschalltechnisch gedämmt, so dass man die Umgebungsgeräusche nicht wahrnimmt und die Terrasse selbst ist stark zurückgezogen, um den nötigen Platz zu bieten. Durch die doppelte Türanlage dringt kein Motorengeruch des Autos in das Zimmer. Die "CarLifts" sind praktisch, weil ich zum Beispiel nicht mehr mein gesamtes Gepäck von der Tiefgarage auf das Zimmer tragen muss, alles ist stets in Reichweite. Dazu sind Tiefgaragen meistens unübersichtlich, es gibt kein gutes Lichtdesign, sie haben keine angenehme Atmosphäre. Mit dem "CarLift" kann ich direkt vor dem Zimmer parken, an der frischen Luft aussteigen und bin genau da, wo ich hinmöchte. Zudem befinden sich auf den CarLoggien die E-Ladestationen. Der Aufzug verläuft durch das gesamte Gebäude, das heißt man könnte auch ein Auto zu Showzwecken im Konferenzbereich in der 11. Etage präsentieren.

Robert Volhard: Sie sind seit 1993 Interiordesigner – worauf würden Sie sagen kommt es bei der Ausstattung von Hotels wirklich an?

Cord Glantz: Ich glaube das wir in Zukunft Hotels viel modularer bauen werden. Die Baugeschwindigkeit, Bauqualität und Ökologie lassen sich so besser steuern, denn ein Produkt kann in der Werkstatt anders gefertigt werden als auf der Baustelle. Trends sind für mich nicht ausschlaggebend, denn als Innenarchitekt gestalte ich Räume, in denen sich Menschen auch noch in zwei Jahren wohlfühlen sollen. Im Grunde gab es aus meiner Sicht in der letzten Zeit auch nur zwei Bewegungen, die auf die Hotelgestaltung wirklich einen Einfluss hatten, die Reduktion auf das Wesentliche und die Suche nach einer privaten Authentizität. Es kommt darauf an ein Ergebnis kreieren können, das sich selbstverständlich mit der Umgebung verbindet. Und das konnten wir gemeinsam mit Rolf Benz im b'mine erreichen.

Autor: Anna Moldenhauer, Stylepark
Bildergalerie 1,2,4 | Fotograf: Jörg Puchmüller, Stylepark
Motiv 1, Bildergalerie 3 | Fotograf: Alexander Huber

SITZEN WIE AUF WOLKE 7
ROLF BENZ KUMO BY BECK DESIGN

Beck Design – das sind Silja und Norbert Beck, eines der erfolgreichsten Designer-(Ehe-)Paare Deutschlands. Ihre jüngste Sofa-Kreation, Rolf Benz KUMO, präsentiert sich mit konsequent organischen Rundungen. Kompromissloser Sitzkomfort ohne Ecken und Kanten. Das variationsfreudige Sofa-Programm feierte auf der Rolf Benz Hausmesse im Herbst  2021 Premiere. Ein Besuchermagnet. Wir unterhielten uns mit dem Designer-Duo über ihre Liebe zum handwerklichen Arbeiten, die Symbiose von Berufs- und Privatleben und die inspirierende Kraft der Natur.

Silja und Norbert, ihr arbeitet schon länger mit Rolf Benz zusammen. Wie kam es zu der Kooperation und warum passt das so gut?

Norbert: Die Zusammenarbeit mit Rolf Benz besteht schon seit über 20 Jahren. 1997 ergab sich erstmals die Gelegenheit, einen Entwurf für einen Auszugstisch zu präsentieren. Ein Jahr später kam der Tisch auf den Markt und der Anfang war gemacht. Ich erinnere mich immer gerne an diese besondere Anfangszeit zurück. Damals saß Rolf Benz noch persönlich mit am Tisch und sprach leidenschaftlich über die DNA seiner Marke. Eine ganz besondere Zeit.

Silja: Über die Jahre hat sich Rolf Benz kontinuierlich weiterentwickelt und erneuert. Ein Prozess, an dem wir immer gerne mitgewirkt haben – bis zum heutigen Tag. Mit der Zeit ist so eine sehr enge und vertrauensvolle Partnerschaft entstanden, die wir sehr schätzen. Sicher auch, weil es bei Rolf Benz bei aller Innovationsfreude immer klare Prinzipien gab, die nie zur Diskussion standen. Zum Beispiel der hohe Qualitätsanspruch rund um die Produktgestaltung. Das verbindet uns mit der Marke Rolf Benz und ist so eine Art gemeinsamer Nenner.    

Gibt es unter den Produkten, die ihr bisher für Rolf Benz entworfen habt, auch so etwas wie ein Lieblingsmöbel?

Silja: Ich persönlich liebe den Sofa-Klassiker Rolf Benz MIO. Ein wirklich sehr, sehr gemütliches Sofa, das nicht ohne Grund seit Jahren bei uns zu Hause im Wohnzimmer steht. Aber die neue Sofakreation Rolf Benz KUMO und die neuen Stühle Rolf Benz NOA finde ich schon auch richtig klasse.

Norbert: Ich kann mich nur schwer auf ein absolutes Lieblingsstück festlegen. Aber zu meinen Favoriten zählen auf jeden Fall die Sofaprogramme Rolf Benz 50, Rolf Benz MIO und das neue Rolf Benz KUMO. Kurz: Sofas mit Charakter.

Apropos Rolf Benz KUMO: Was ist das Besondere daran?

Norbert: Rolf Benz wünschte sich ein organisches Sofaprogramm. Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass die Außenseiten bei Rolf Benz KUMO fließend und harmonisch ineinander übergehen. Die einzelnen Elemente folgen in jeder Kombination einer definierten geschwungenen Linie. Diese Linie ist so konzipiert, dass das Sofa sowohl in Raumecken mit etwas Abstand zur Wand stehen kann, als auch völlig frei im Raum. Besonders wichtig war uns, dass es überall eine gute Figur abgibt. In großzügigen, lichtdurchfluteten Lofts. Aber auch in kleineren Räumen. Deshalb haben wir hier ganz bewusst auf allzu mächtige Polstervolumen verzichtet. Rolf Benz KUMO ist eine Symbiose aus organischer Formgebung und präziser Linienführung. Und wirkt luftig leicht und elegant.

Silja: Aber was wäre gutes Design ohne den entsprechenden Komfort? Genau dafür sorgen die eingelegten Rückenkissen – für ein himmlisch bequemes Sitzgefühl. Deshalb passt der Name ja auch so perfekt. Schließlich ist „Kumo“ das japanische Wort für „Wolke“.

Gab es bei der Entwicklung von Rolf Benz KUMO besondere Herausforderungen?

Silja: Eine der größten Herausforderungen war sicher die Herausarbeitung der organischen Linienführung mit dem fließenden Übergang vom Rücken zum Sitz. Auch in der Produktion ist dafür letztlich großes handwerkliches Geschick gefragt. Es gab aber noch einen weiteren herausfordernden Aspekt. Laut Aufgabenstellung sollten alle einzelnen Elemente immer auch alleine im Raum stehen und für sich wirken können. Das war nicht ganz einfach, aber es ist uns am Ende doch erstaunlich gut gelungen. Besonders die Relax-Inseln sind in Ihren unterschiedlichen Größen und Ausführungen geradezu prädestiniert für starke Soloauftritte. Im Zusammenspiel der Einzelelemente lassen sich dann wiederum sehr reizvolle Face-to-Face-Szenarien kreieren.

Nehmt uns mit auf eurem Weg vom Briefing bis zur Präsentation. Wie läuft das ab?

Norbert: Das ist ein längerer Prozess. Im Rahmen eines ausführlichen Briefing-Gesprächs kommen erst mal sämtliche Themen auf den Tisch. Dazu gehört zum Beispiel die Machart des Sofaprogramms. Wir besprechen, welche Leder oder Bezugsstoffe zum Einsatz kommen sollen. In welcher Preislage sich das Sofaprogramm bewegt. Und natürlich wird auch die Zielgruppe genau beleuchtet.

Silja: Wenn dann schließlich alle wichtigen Punkte mit dem Design-Management von Rolf Benz besprochen sind, denken wir erst mal nach. Und zwar in alle möglichen Richtungen. Dafür nehmen wir uns in der Regel ein bis zwei Tage Zeit.

Norbert: Diese erste Phase der thematischen Annäherung ist mitunter auch die schwierigste. Es ist ein ständiges hin und her. Ein Ausloten von Möglichkeiten. Und ein hoher Rechercheaufwand. Wir fertigen erste Skizzen an und arbeiten erste Details aus. Anhand dieser Details lässt sich das Produkt später charakterisieren.

Silja: Und irgendwann ist er dann da: der magische Moment, wenn sich plötzlich dieses „Das-ist-es-Gefühl“ einstellt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Arbeitsablauf dann auch etwas geregelter. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Arbeit damit zur Routine und weniger spannend wird. Im Gegenteil: Norbert beginnt nun damit, aufwändige Modelle zu bauen. Ich beschäftige mich derweil ausführlich mit der Systematik des Sofaprogramms.

Norbert: Am Tag der Präsentation, liegt dann jede Menge Arbeit hinter uns. Wir haben das Konstruktionsprinzip herausgearbeitet und die Machbarkeit der Details geklärt. So können wir sehr wirklichkeitsgetreue Modelle und Grundrissplanungen präsentieren. Eine gute und vor allem sehr anschauliche Diskussionsgrundlage.     

Ihr legt beide großen Wert auf die Modellerstellung. Warum ist euch das so wichtig?

Silja: Um eine Idee zu visualisieren und den Designansatz zu vermitteln gibt es unterschiedliche Wege. Norbert und ich lieben beide die handwerkliche Arbeit. Deshalb wählen wir meistens den Weg über den Modellbau. Die Haptik und das reale dreidimensionale Erleben eines Möbelmodells sind aus unserer Sicht einfach nicht zu toppen. Auch nicht mit dem aufwändigsten Rendering. Unsere Modelle zum Anfassen kommen nicht nur bei Präsentationen gut an, sondern geben uns auch die notwendige Sicherheit in Sachen Proportionen und Machbarkeit.

Norbert: Unsere Vorliebe für den Modellbau hat tatsächlich auch ganz praktische Gründe. Ein entscheidender Vorteil ist, dass man oft schon in der Modellbauphase auf die gleichen Herausforderungen stößt, die später auch im Herstellungsprozess eine entscheidende Rolle spielen können. Damit die Modelle möglichst realitätsnah sind, haben wir in unserem Atelier professionelle Holzbearbeitungsmaschinen, Metallbearbeitungswerkzeuge, eine Lackiereinrichtung und natürlich diverse Nähmaschinen. Und auch unser 3D-Drucker leistet immer wieder gute Dienste.     

Ihr lebt in der Nähe des Bodensees. Wie wichtig ist die Umgebung für eure Arbeit als Designer?

Silja: Wir fühlen uns in dieser ländlich geprägten Region sehr wohl und genießen die Nähe zur Natur. Daraus erwächst eine Ruhe und Achtsamkeit, aus der wir Kraft für die schöpferische Arbeit gewinnen. Es ist unser persönlicher „way of life“ und fühlt sich für uns irgendwie stimmig und gut an.

Gemeinsam leben und arbeiten unter einem Dach. Warum funktioniert das bei euch so gut?

Silja: Wir hatten beide schon immer das große Bedürfnis, unser Umfeld nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Da ist es tatsächlich schwer, eine klare Trennlinie zwischen Beruf und Freizeit zu ziehen. Das wollen wir aber auch gar nicht. Deshalb kommt es schon manchmal vor, dass wir an einem verregneten Sonntag beide im Atelier oder Büro zu finden sind. Allerdings vermeiden wir es, in unserem Wohnbereich geschäftliche Dinge zu besprechen. Solange unsere Kinder noch bei uns gewohnt haben, war uns das ganz besonders wichtig. Aber auch jetzt halten wir uns in der Regel noch an diese Abmachung.

Norbert: Nicht zu unterschätzen ist auch der enorme Zeitgewinn, der sich aus der unmittelbaren Nähe zu unserem Arbeitsplatz ergibt: 5 Sekunden Arbeitsweg – das macht uns so schnell niemand nach. 

Was zeichnet euer Design aus? Worauf legt ihr bei eurer Arbeit besonderen Wert?

Norbert: Langlebigkeit ist zwar ein extrem strapazierter Begriff, aber wir nehmen das Thema wirklich sehr ernst. Die Menschen geben eine Menge Geld für gute Möbel aus. Deshalb haben sie auch ein Recht darauf, dass die gekauften Möbelstücke auch nach zehn Jahren noch einwandfrei funktionieren und auch optisch noch etwas hermachen. Wir sind immer bestrebt, keine Durchschnittspolstermöbel zu entwerfen, sondern hochwertige Qualitätsmöbel mit einem eigenen Charakter. Wenn man Sofas wie Rolf Benz MIO, Rolf Benz 50 oder Rolf Benz KUMO anschaut, wird sehr schnell klar, was damit gemeint ist.

Norbert, du warst früher Werk- und Kunstlehrer. Wie kamst du zum Möbeldesign?

Norbert: Schon in Kindheitstagen habe ich immer gerne gewerkelt. Die Voraussetzungen dafür waren perfekt, denn mein Vater war gelernter Zimmermann und Schreiner. Das Interesse daran, Dinge selbst zu gestalten und zu bauen war also schon vor meiner Werk- und Kunstlehrer-Ausbildung vorhanden. Nach neun Jahren Schuldienst habe ich dann mit ersten ernst gemeinten Entwürfen den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Mein erster Entwurf war ein faltbarer Esstisch, den ich auch selbst herstellte. Den packten wir dann in den Kofferraum unseres Autos und verkauften ihn an diverse Möbelhändler. Irgendwann kam es zum Kontakt mit der ersten Möbelfabrik, für die dann in den Folgejahren verschiedene Entwürfe für Tische, Stühle, Betten und Regale entstanden sind.

Silja, was sind die Vorteile, wenn man als Ehepaar so eng zusammenarbeitet wie ihr.

Silja: Ein entscheidender Vorteil ist sicher, dass man als Duo immer die Gelegenheit hat, sich intensiv auszutauschen. Gerade im Entwurfsprozess oder in der Diskussion über neue Entwürfe kann man die Designidee gemeinsam schärfen und weiterentwickeln. Da hilft der berühmte Blick von außen manchmal sehr. Zudem kann man sich in jeder Projektphase gegenseitig unterstützen. Ein gutes Gefühl. Gerade, wenn es hektisch wird und es mal wieder hoch hergeht.

In der aktuellen Situation verbringen viele Menschen deutlich mehr Zeit zu Hause. Welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf das Wohnen?

Norbert: Die viele Zeit, die die Menschen zuletzt in den eigenen vier Wänden zugebracht haben, hat sicherlich den Blick für die eigene Umgebung geschärft. Das Bedürfnis, es sich zu Hause schön und gemütlich zu machen, ist dadurch deutlich gewachsen. Ebenso wie die Bereitschaft mehr Geld für schönes Wohnen auszugeben. Ob das langfristig so bleibt, wird sich zeigen.

Wie steht ihr zum Thema Nachhaltigkeit?

Silja: Dieses Thema liegt uns sehr am Herzen. Wir versuchen unsere Arbeit so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Als erstes setzen wir auf Langlebigkeit in Sachen Form und Optik. Dabei achten wir genau darauf, dass unsere Produkte modern, aber nicht modisch rüberkommen. Bei unseren Entwürfen verzichten wir nach Möglichkeit auf verklebte oder Kompositmaterialien. So lassen sich später die einzelnen Stoffe besser trennen und recyceln. Energieintensive Materialien wie Aluminium setzen wir nicht mehr zur reinen Dekoration ein, sondern nur noch dort, wo es wirklich sinnvoll ist. Zum Beispiel aus statischen Gründen. Und auch bei der Auswahl unserer Auftraggeber achten wir darauf, dass das Thema Nachhaltigkeit ernst genommen und berücksichtigt wird. Rolf Benz ist diesbezüglich äußerst engagiert und vorbildlich. Das freut uns natürlich sehr.

Norbert: Generell achten wir sehr darauf, unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Mit unserer Photovoltaik-Anlage können wir rechnerisch zum Beispiel unseren gesamten Jahresstrombedarf decken, inklusive E-Auto.

KUMO bedeutet japanisch so viel wie „Wolke“. Was ist eure persönliche Wolke 7?

Silja: Meine Wolke 7 ist definitiv unser Zuhause und unser Garten. Das genieße ich sehr.

Norbert: Dem kann ich mich nur anschließen. Und Segeln. Das macht den Kopf so schön frei für neue Ideen.

Vielen Dank, Silja und Norbert. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

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AHOI IN HAMBURG CITY
DAS NEUE ROLF BENZ HAUS IN DEN STADTHÖFEN

Zentraler, moderner, attraktiver – nach über 10 Jahren im Stilwerk am Hamburger Hafen ist das ROLF BENZ HAUS im November 2021 in die neuen Stadthöfe in der westlichen City gezogen. Geschäftsführer Alexander Raab ist seit 35 Jahren erfolgreich im Möbelbusiness aktiv – und ein Einrichtungsexperte mit Leib und Seele. Wir sprachen mit dem früheren Stilwerk-Mitinitiator über seinen neu gestalteten Rolf Benz Flagshipstore, die Vorzüge der Hamburger City und die Zukunft der Möbelbranche.

Herr Raab, hinter Ihnen und Ihrem Team liegen bewegte Wochen. Am 11. November 2021 haben Sie das neue ROLF BENZ HAUS in den Stadthöfen eröffnet. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Absolut. Der Auftritt der Marke Rolf Benz hier in den neuen Stadthöfen ist wirklich große Klasse. Erfahrungsgemäß fallen bei so einer Eröffnung immer noch kleinere Arbeiten an und es muss punktuell noch gefeilt und nachjustiert werden. Aber wir waren mit dem neuen ROLF BENZ HAUS tatsächlich vom Stand weg sehr, sehr nah an der 100-Prozent-Marke dran. Die bisherigen Besucherinnen und Besucher zeigen sich jedenfalls schwer beeindruckt.

Was erwartet Ihre Kund:innen im neuen ROLF BENZ HAUS?

Ein einzigartiges Rolf Benz Markenerlebnis auf rund 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, das in Europa seinesgleichen sucht. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass wir hier in den Stadthöfen Teil eines wirklich eindrucksvollen Gebäude-Ensembles sind. Mit hoch attraktiven Verkaufsflächen, die sich deutlich von den üblichen Standardgrundrissen im Einzelhandel unterscheiden. Man spürt hier an jeder Ecke, dass die Projektentwickler mit viel Fingerspitzengefühl vorgegangen sind. Die Laden- und Verkaufsflächen, die hier in den Stadthöfen nun nach und nach an den Start gehen, sind für Einheimische und Touristen definitiv mehr als nur einen Besuch wert. Ein wirklich bemerkenswertes Areal mit ganz besonderem Flair und Charme.

Klingt nach dem perfekten Standort ...

So ist es. Die Lage ist wirklich optimal. Das Stadthöfe-Quartier in der westlichen City liegt zwischen Neuer Wall und Große Bleichen. Das sind in Hamburg die beiden Straßen mit dem hochwertigsten Einzelhandelsangebot. Wer nach Luxus- und Designer-Marken sucht, findet sie hier. Das neue ROLF BENZ HAUS passt perfekt in diese illustre Nachbarschaft. In den letzten 20 bis 25 Jahren haben viele Geschäfte aus Kostengründen der City den Rücken gekehrt und sind in die Außenbezirke und auf die grüne Wiese abgewandert. Derzeit beobachten wir eine klare Rückbesinnung auf die Hamburger Innenstadt. Für die nächsten 10 bis 20 Jahre glaube ich fest an den Standort City. Gerade weil sich insbesondere die hochwertigen Interior-Anbieter wieder vermehrt hier ansiedeln. Das zieht attraktive Kundschaft an. Und die hochwertigen Einrichter können so gegenseitig voneinander profitieren.

Das Store-Konzept für das neue ROLF BENZ HAUS stammt von den Hamburger Innenarchitekten „Labsdesign“, die auch den Umbau betreut haben. Wie war die Zusammenarbeit?

Labsdesign hat einen verdammt guten Job gemacht und einen super Entwurf abgeliefert. Das Designstudio ist ja für Rolf Benz seit Jahren ein Erfolgsgarant und inszeniert die Showrooms auf der ganzen Welt. Lassen Sie es mich mal so ausdrücken: Wenn es Labsdesign gelingt, tausende Kilometer entfernt in Asien beachtenswerte Rolf Benz Flagshipstores zu kreieren, dann sollte das hier in unserer schönen Hansestadt doch erst recht klappen. Schließlich war es für Labsdesign im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel. Das Büro der Innenarchitekten liegt gerade mal zehn Minuten von den Stadthöfen entfernt. Die Voraussetzungen hätten also kaum besser sein können. Die Zusammenarbeit mit Labsdesign war in jeder Phase vertrauensvoll und konstruktiv. Das sind absolute Profis, die nicht nur ein Händchen für anspruchsvolle Produkt- und Rauminszenierungen haben, sondern auch ein tiefgreifendes Verständnis für die Erfordernisse des Einzelhandels mitbringen. Und den nötigen Pragmatismus. Schließlich möchte ich als Geschäftsmann keine Galerie eröffnen, sondern meiner Kundschaft auf einer ansprechenden Präsentationsfläche hochwertige Produkte verkaufen. Wir sind mehr als zufrieden.

Sie sind ja gebürtiger Hamburger. Was mögen Sie an der Hansestadt? Und was macht Hamburg für Sie als Einrichter so attraktiv.

Ja, Hamburg ist meine Stadt. Hier lebe ich. Hier arbeite ich. Und hier lassen sich zum Glück auch gute Geschäfte machen. Gerade in den letzten Jahren wurde in Hamburg viel in neue, hochwertige Neubauprojekte investiert. Nehmen wir zum Beispiel die Hafencity. Jedes neue Apartmenthaus mit 40 bis 60 Wohneinheiten bringt wieder neue potenzielle Kundschaft für die Einrichter in der Innenstadt mit sich. Durch die Dynamik im Hamburger Immobilienmarkt wächst gleichzeitig die Nachfrage nach exklusivem Interieur. Von dieser Entwicklung haben wir in den letzten Jahren alle sehr profitiert. Und ich bin mir sicher, dass das auch in den nächsten Jahren noch anhalten wird. Kurz: Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Rolf Benz ist seit über 50 Jahren ein Wegbereiter Deutscher Designkultur. Was macht aus Ihrer Sicht den Erfolg der Marke aus? Warum entscheiden sich Menschen für Produkte von Rolf Benz?

„Auf Höhe der Zeit – und das zu jeder Zeit“, ich glaube, dieser Slogan aus einem Prospekt von Rolf Benz trifft den Nagel auf den Kopf. Hinzu kommt, dass Rolf Benz einen enorm hohen Bekanntheitsgrad genießt. Es gibt nur sehr wenig Marken im Einrichtungsbereich, die der Kundschaft so geläufig sind. Wenn man Menschen in Deutschland nach Marken aus dem Polstermöbelbereich fragt, wird Rolf Benz meist als erstes genannt. Die Marke steht für hohe Qualität, Kontinuität und gutes, modernes Design „Made in Germany“. Ein Name, dem die Menschen einfach vertrauen – und das auch völlig zurecht.

Sie arbeiten seit Jahren erfolgreich mit Rolf Benz zusammen. Was schätzen Sie an der Kooperation?

Die Verlässlichkeit und die Kontinuität. Auch und gerade auf Ebene der Geschäftsleitung und im Vertrieb. Die Unternehmensführung legt Wert auf eine langfristige Entwicklung der Marke. Und damit auch auf Kontinuität im Umgang mit den Kunden und Designern sowie in Sachen Produktentwicklung. Durch die gezielte Zusammenarbeit mit namhaften und international erfolgreichen Möbeldesignern wie Werner Aisslinger, Sebastian Herkner, Christian Werner oder auch Toan Nguyen hat sich das Sortiment in den letzten zehn Jahren enorm weiterentwickelt. Man hat neue Wege beschritten. Das hat sich aus meiner Sicht wirklich gelohnt. Die Kollektion präsentiert sich mit einem zeitgemäßen, frischen und modernen Look. Ist aber immer noch 100 Prozent Rolf Benz.

Wie würden Sie Ihren Wohnstil beschreiben und welche Rolf Benz Modelle passen besonders gut dazu? 

Mein Zuhause ist geprägt von einem sehr behaglichen, lässigen Luxus. Meine vier Wände sollen der Entspannung, der Ruhe, der Gespräche und der Lektüre dienen. Der Hochlehner Rolf Benz 594 von Sebastian Herkner und die Rolf Benz Outdoor-Kollektion YOKO von Toan Nguyen gefallen mir persönlich außerordentlich gut. Das ist Design auf absolutem Top-Niveau. Es sind Produkte wie diese, die dazu führen, dass seit einigen Jahren auch italienische Wettbewerber immer öfter auf dem Rolf Benz Messestand vorbeischauen. Das war nicht immer so. Eine großartige Entwicklung. Man darf gespannt sein, was da noch alles kommt.

Gibt es aus Ihrer Sicht die typischen Rolf Benz Kund:innen?

Die typischen Rolf Benz Kundinnen oder Kunden gibt es aus meiner Sicht nicht. Dazu ist das Angebotsspektrum inzwischen einfach zu facettenreich. Rolf Benz bietet mittlerweile ja eine riesige Produktauswahl: loungige Relax-Wohnlandschaften, hochwertige kubische Sofa-Klassiker, außergewöhnliche Multifunktionsmöbel, Stühle, Esstische, Betten und sogar eine Outdoor-Kollektion. Was aber alle Rolf Benz Kunden verbindet: sie schätzen die Marke und die hohe Produktqualität.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie stehen Sie als Einrichtungsexperte dazu.     

Unsere Kundschaft zahlt gutes Geld für gute Qualität. Langlebigkeit spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Gerade die Produkte von Rolf Benz sind von Haus aus für eine intensive und langjährige Nutzungsdauer ausgelegt. Wenn zufriedene Rolf Benz Kunden nach 15 bis 20 Jahren wieder zu uns kommen, um sich eine neue Rolf Benz Garnitur zuzulegen, dann gibt es aus meiner Sicht keinen besseren Beweis für Nachhaltigkeit. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass die von Rolf Benz eingesetzten Materialien – von den Stoffen über die Gestelle bis zur Polsterung – einer Nachhaltigkeitsprüfung bestens standhalten.

Stichwort Online-Shopping. Einkaufen übers Internet wird immer populärer und hat in den letzten beiden Jahren zusätzlichen Schub erhalten. Welche Benefits bietet der stationäre Handel im Vergleich zu Online-Shops?

Der stationäre Einzelhandel bietet drei entscheidende Vorteile. Erstens: Das haptische Einkaufserlebnis. Unsere Kundinnen und Kunden können bei Rolf Benz zum Beispiel aus bis zu 200 Stoff- und 80 Lederausführungen den für sie passenden Polstermöbelbezug auswählen. Zweites: Man kann auf seinem Wunschmodell ganz real Platz nehmen und intensiv Probesitzen – oder auch Probeliegen. Das kann kein Online-Händler bieten. Und drittens: Wir befinden uns bei Rolf Benz in einer Preisklasse, in der die Kundschaft eine kompetente Rundumbetreuung erwartet. Vor dem Kauf, beim Kauf und nach dem Kauf. Diese vollumfängliche Betreuung bieten wir im stationären Einzelhandel. Da kann ein Online-Shop nicht mithalten. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Menschen eine ganzheitliche innenarchitektonische Beratung und Raumplanung wünschen. Das erfordert nicht nur jede Menge Expertise, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit den kundenspezifischen Lebensbedingungen, Anforderungen und Erwartungen. Die Informationen, die ich als Verkäufer im direkten Kundenkontakt von Angesicht zu Angesicht gewinne, kann ich dann entsprechend verarbeiten, um bedarfsgerecht auf die Kunden zu reagieren. So machen wir den Unterschied.

Sie sind ein renommierter Einrichtungsexperte und genießen in der Branche fast schon Kultstatus. Was fasziniert Sie am Möbel-Business und was ist Ihr Erfolgsrezept?   

Ich bin jetzt seit 35 Jahren im Möbel-Business aktiv. Was mich bis zum heutigen Tag begleitet ist meine Neugierde. Die Neugierde auf Kunden, auf Hersteller, auf neue Produkte. Aber vor allem auf die Menschen, die damit in Verbindung stehen. Und die sind in der Branche wirklich toll! Das war schon früher so und ist heute nicht anders. Mein Erfolgsrezept heißt Bauchgefühl. Auch darauf kann ich mich zum Glück bis heute verlassen.

Wie wird sich die Möbelbranche in den nächsten Jahren entwickeln? Was ist Ihre Prognose?

Ich sehe zwei Entwicklungen. Zum einen glaube ich, dass der klassische Stückeverkauf immer mehr über das Internet laufen wird. Zum anderen wird aber auch die Nachfrage nach kompetenter Planung und Beratung wachsen. Wir haben es in den letzten Jahren zunehmend mit einer Kundengruppe zu tun, die gezielt eine innenarchitektonische Beratung sucht, sich gerne professionell begleiten lässt und sehr offen ist für neue Inspirationen und Ideen. Die Anbieter müssen sich entscheiden, ob Sie auf einen Stückeverkauf über die Ausstellung und das Internet setzen oder den Fokus auf Beratung und Planung legen. Diese beiden Bereiche können übrigens wunderbar nebeneinander existieren. Der Kuchen ist groß genug.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Herr Raab. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg und weiterhin ein gutes Bauchgefühl bei allen aktuellen und künftigen Projekten.

IKONISCHER ALLROUNDER:
ROLF BENZ 594 BY SEBASTIAN HERKNER

Mit ikonischem Design kennt sich Sebastian Herkner aus. Den derzeit vielleicht augenscheinlichsten Beweis dafür liefert der „Designer des Jahres 2019“ mit dem neuen Hochlehner Rolf Benz 594. Das einladende Sitzmöbel mit fein austarierter Rückenwölbung, straff gepolsterter Sitzschale und angenehm weichem Sitzkissen mutet an wie eine formgewordene Umarmung. Wir trafen den preisgekrönten Designer in seinem Offenbacher Studio und sprachen über Inspiration, Nachhaltigkeit und das Leben und Arbeiten in Zeiten von Corona.

Sebastian, du hast ja bereits vor einem Jahr den Esstisch Rolf Benz 909 entworfen. Gerade wurde dein neuer Sessel Rolf Benz 594 vorgestellt. Wie lange hat die Entwicklung gedauert und was war die größte Herausforderung?

An dem Sessel haben wir anderthalb Jahre gearbeitet. Die größte Herausforderung war sicherlich die sehr spezielle Sesselform. Es ging ja von Anfang an darum, ein ikonisches Sitzmöbel zu kreieren. Rolf Benz wünschte sich einen Hochlehner mit einer ganz eigenen Aussage, einer unverwechselbaren Formensprache. An eine solche Aufgabe muss man sich erst mal herantasten. Man fängt an zu zeichnen, fertigt Skizzen an und setzt sich an den Computer. Entscheidend war hier aber vor allem die Zusammenarbeit mit den Handwerkern und Prototypenbauern vor Ort bei Rolf Benz.

Die Formfindung war ein mehrstufiger Prozess. Da lief sehr viel über echte, gepolsterte Prototypen-Modelle. Dazwischen wird dann natürlich immer wieder gezeichnet – und auch mal mit dem Marker direkt auf die Prototypen gemalt. Hier etwas wegnehmen. Da ein paar Grad hinzufügen. Dort die Linienführung anpassen ... Natürlich hilft da auch der Computer. Aber letztlich muss man das Objekt mit allen Sinnen real erfahren, den Sessel buchstäblich „besitzen“. Umrunden. Sich vielleicht auch mal vor ihn hinknien. Aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Und so nähert man sich dann Stück für Stück dem finalen Sessel. Ein sehr spannender, aber auch aufwendiger Prozess.  

In welchem räumlichen Kontext macht sich der Sessel aus deiner Sicht am besten und wofür eignet er sich besonders gut?

Rolf Benz 594 ist ein echter Allrounder. Er lässt sich auf unterschiedlichste Art inszenieren und gut an verschiedene Raumsituationen und Nutzungsszenarien anpassen. Er kann als singuläres Möbelstück genutzt werden, zum Beispiel als gemütlicher Lesesessel und Rückzugsort. Oder als kommunikative Sesselgruppe. Zum Beispiel im Großraumbüro oder in der Hotel-Lobby. Für Meetings, Kennenlerngespräche oder Smalltalk.

In welcher Materialkombination gefällt dir der Sessel am besten? Hast du eine persönliche Lieblingskombi?     

Schwierige Frage. Es gibt da ja so viele Möglichkeiten. Der Sessel lässt sich sehr stark individualisieren. Da wir zu Hause aber viel Beton haben, würde das Untergestell aus Natureiche sicher sehr gut passen. Beim Bezug würde ich eher auf etwas Strukturiertes bzw. Flauschiges gehen. Bouclé finde ich zum Beispiel toll. Oder auch Samt. Das gibt dem Ganzen dann zusätzlich noch so eine schöne Haptik. 

Wo findest du Inspiration für deine Arbeit?

Inspiration zu finden fällt mir eigentlich recht leicht. Ich bin ein neugieriger Mensch und beobachte viel. Man muss sehr offen sein, um verschiedene Impulse aufnehmen zu können. Das kann eigentlich überall passieren. Auch im ganz normalen Alltag kann man immer wieder spannende Beobachtungen machen und entdeckt zum Beispiel plötzlich eine schöne Farbe oder eine außergewöhnliche Materialkombination. Aber auch im Studio kann ich Inspiration finden. Im Archiv oder im Gespräch mit meinem Team. Natürlich auch im Museum oder auf Reisen. Und manchmal hilft es auch, Handwerker bei ihrer Arbeit zu beobachten, um auf neue Lösungen zu kommen. Man muss eben einfach offen sein.

Gibt es Vorbilder, die dich und deine Arbeitsweise besonders geprägt haben?

Es fällt mir schwer, bestimmte Designer oder Persönlichkeiten aufzulisten. Da vergisst man ja auch schnell mal den einen oder anderen. Deshalb möchte lieber auf die Handwerker verweisen, die unsere Entwürfe hinter den Kulissen so meisterhaft umsetzen. Die leisten gerade bei Rolf Benz alle eine unglaubliche Arbeit und haben ein wahnsinniges Know-how. Ein Know-how, das von Generation zu Generation weitergeben wird. Das finde ich vorbildlich. Wir haben in Deutschland das große Glück, dass es die Meister-Ausbildung gibt. Das ist ein kostbares Kulturgut. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Viele erfolgreiche Designer zieht es nach Berlin. Du hingegen hast vor 13 Jahren dein Design-Studio in Offenbach eröffnet. Was macht Offenbach für dich zum perfekten Standort?

Offenbach gehört sicher nicht zu den attraktivsten Städten. Eher Liebe auf den zweiten Blick. Es ist eine kleine Stadt. Es ist eine überschaubare Stadt. Aber ich fühle mich wohl hier. Es ist mein Zuhause. Hier sind meine Freunde. Hinzu kommt, dass Offenbach eine sehr multikulturelle und damit auch sehr inspirierende Stadt ist. Mit vielen tollen Shops und Restaurants unterschiedlichster kultureller Prägung. Und das alles auf engstem Raum. Aber natürlich spielen auch die verkehrsgünstige Lage mitten in Europa und der nahe Flughafen eine Rolle. Ich habe das große Glück, viel reisen zu können. Mit dem Zug bin schnell bei Rolf Benz im Schwarzwald. Ich kann einen Tagestrip nach Venedig machen. Oder zur Messe nach Paris. Das empfinde ich als großen Vorteil. Aber das hat sich durch Corona natürlich sehr stark verändert. Auch ich bin jetzt mehr am Telefon oder stimme mich per Skype oder Zoom ab. Das funktioniert auch ganz gut. Und so habe ich Offenbach in den letzten Monaten auch nochmal ganz neu kennengelernt. Zum Beispiel den Wochenmarkt mit seinem tollen Angebot. Das ist für mich auch ein Stück Lebensqualität.

Du bist viel in der Welt unterwegs. Gibt es ein Land, das dich auf deinen Reisen besonders fasziniert hat?

Reisen ist ein Privileg. Ich genieße das sehr. Als Kind war das Weihnachts-Shopping mit meinen Eltern in Stuttgart immer ein Highlight. Heute ist der Radius natürlich etwas größer geworden und man kommt auch mal nach Taiwan oder Kolumbien. Das ist wahnsinnig inspirierend. Aber ich finde trotzdem, dass es gar nicht so sehr auf die zurückgelegte Distanz ankommt. Wichtiger sind die menschlichen Begegnungen und die örtlichen Besonderheiten. Wenn ich reise, will ich das Besondere entdecken. Sozusagen die B-Seite einer Stadt, wie bei einer Schallplatte. Das ist das Spannende. Das kann in Taipeh sein. Das geht aber auch in Ulm. Man muss also nicht immer möglichst weit weg. Nur genau hinsehen, egal wo man ist. Durch Corona haben wir aktuell alle die Chance, unsere nähere Umgebung nochmal völlig neu zu entdecken. Diese Chance nutze ich.      

Was zeichnet die Kreationen eines Sebastian Herkner aus? Was ist dir wichtig?

Ich achte besonders auf die Materialität, Farbe, Qualität und das Handwerkliche. Ich beobachte, dass Qualität und Langlebigkeit für die Menschen wieder wichtiger werden. Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Das ist gut. Ich möchte keine Produkte machen, die trendy sind und nach einem halben Jahr wieder entsorgt werden. Ich möchte Produkte machen, die langlebig sind. Lebenslange Begleiter, die im besten Fall auch noch spätere Generationen erfreuen. Dazu gehört auch, dass man die Produkte reparieren kann oder im Falle eines Sitzmöbels auch neu aufpolstern. Unsere Ressourcen werden knapper. Wir müssen umdenken und den ganzen Prozess im Blick haben. Das finde ich bei Rolf Benz so toll. Da wird noch vor Ort im Schwarzwald produziert. Das heißt: kurze Wege – und natürlich nachhaltige Qualität.

In deinen Designs interpretierst du Merkmale aus verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten und kreierst Artefakte von einzigartiger Persönlichkeit. Welche Beobachtungen stecken denn im Sessel Rolf Benz 594?

Unser Alltag wird immer hektischer. Man rennt von A nach B und nimmt seine Umgebung gar nicht mehr richtig wahr. Die Arbeitsprozesse werden immer schneller. Man hängt vor dem Handy, Laptop und Tablet und lebt immer digitaler. Das Haptische löst sich mehr und mehr auf. Unser Hochlehner ist eine Antwort auf diese Entwicklung und will ein Rückzugsort sein. Etwas Echtes und Greifbares. Stichwort: Cocooning. Ein Ort, an dem man sich fallenlassen kann. Ein Platz zum Anlehnen und Ankommen. Zum Eintauchen und tiefen Durchatmen. Hier kann man entspannen, sinnieren, einen Powernap machen, ein Buch lesen – aber natürlich auch wunderbar E-Mails checken oder im Internet surfen. Wenn man das will.

Die Liste deiner Auszeichnungen ist bemerkenswert lang. Wie fühlt man sich als „Designer des Jahres 2019“ und wie wichtig sind Titel und Preise für dich?

Klar, ist das eine Bestätigung. Vor allem für das Team. Für die Firma. Für die Leistung. Für die viele Arbeit, die in so einer Produktentwicklung steckt. Schöner finde ich es aber, wenn ich meine Produkte zum Beispiel bei Instagram entdecke, mit dem Hashtag #SebastianHerkner. Und dadurch sehen kann, wo die ganzen Produkte gelandet sind. In welchem Kontext sie auftauchen. Wer sie sich gegönnt hat. Oder wer vielleicht sogar darauf gespart hat, weil er oder sie das Produkt unbedingt haben wollte. Die Geschichten dahinter, die finde ich spannend. Und das bedeutet mir eigentlich viel mehr. Toll finde ich auch, wenn ich in ein Hotel komme und plötzlich einen Tisch von mir entdecke. Das sind dann für mich die schöneren Momente.

Was machst du am liebsten, wenn du nicht gerade wegweisendes Design entwirfst?

Kreativität ist meine Leidenschaft. Deshalb sehe ich meinen Beruf eigentlich gar nicht so sehr als Beruf. Eher als Privileg. Weil ich genau das mache, was ich wirklich mag. Die Vielseitigkeit ist spannend. Und es ist ja nicht so, dass ich acht Stunden am Tag schufte und dann völlig erschöpft nach Hause komme. Wenn man wirklich das machen kann, was einem Spaß macht, geht alles wesentlich leichter von der Hand.

Kann gutes Design die Welt verändern?

Um die Welt zu verändern braucht es nicht unbedingt gutes Design. Aber die Verantwortung eines Designers ist natürlich schon groß. Er kann beeinflussen, wie die Dinge genutzt werden. Wie wir sie recyceln. Mir persönlich liegt zum Beispiel überhaupt nichts daran hippe Produkte zu machen, die für eine Saison im Regal liegen und zwei Jahre später auf dem Müllberg. Ich denke, da haben wir als Designer schon eine gewisse Verantwortung. Und dadurch können wir sicherlich auch die Welt ein wenig mitgestalten. Less, but better. Weniger kaufen, aber in besserer Qualität. Ich denke, damit können wir die Welt verändern. Der Designer allein kann das natürlich nicht schaffen. Aber er kann sicherlich Anstöße geben, zur Diskussion anregen und mit einer verantwortungsvollen Designleistung dazu beitragen, dass die Welt ein wenig besser wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.

Bilder: Sandro Jödicke | whitedesk

→ Mehr Infos zum Sessel Rolf Benz 594

 

BERLINER LOFT IM STILWERK
WILLKOMMEN IM NEUEN ROLF BENZ HAUS

Seit 1999 ist die Kantstraße 17 im Berliner Bezirk Charlottenburg die Premium-Adresse für exklusiven Einrichtungsbedarf, erlesene Design-Produkte und hochwertige Lifestyle-Artikel. Mit über 40 Shops präsentiert sich das in direkter Nachbarschaft zum Ku’damm gelegene stilwerk einem anspruchsvollen und designaffinen Publikum. Das ROLF BENZ HAUS ist von Anfang an dabei und seit jeher ein Besuchermagnet. Erst kürzlich wurde der Store aufwendig renoviert. Ein Gespräch mit dem langjährigen Geschäftsleiter und erfahrenen Einrichtungsexperten Alexandros Chomatopoulos.

Herr Chomatopoulos, Sie und Ihr Team haben bewegte Wochen hinter sich. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis der Umbaumaßnahmen im ROLF BENZ HAUS Berlin?

Ja, sehr. Der Umbau hat sich absolut gelohnt. Wir haben allerhand verändert. Man könnte fast sagen, dass wir unser Geschäft nahezu komplett auf links gedreht haben. Es gibt jetzt viel weniger Abtrennungen zwischen den einzelnen Wohnszenarien. Und die, die übrig geblieben sind, haben wir ganz bewusst sehr dezent gestaltet. Dadurch wirkt jetzt alles viel weiter, offener und großzügiger. Der Loft-Charakter unseres Geschäfts kommt so deutlich stärker zur Geltung. Ein echter Gewinn für unsere Möbel. Ich muss sagen, mir gefällt der neue Look wirklich sehr gut.

Und wie kommt die Neugestaltung bei Ihren Kunden an?

Die ersten Kundenreaktionen sind ausnahmslos positiv. Der Umbau erfolgte ja bei laufendem Geschäftsbetrieb. Zwei Wochen lang haben wir intensiv an der neuen Ladenoptik gearbeitet – inspiriert vom internationalen ROLF BENZ Store-Konzept. Die Kunden haben sich von den Umbaumaßnahmen nicht sonderlich stören lassen. Im Gegenteil: Ich hatte manchmal den Eindruck, dass viele den Farbroller am liebsten selbst in die Hand genommen und mitgeholfen hätten. Viele Kunden waren ausgesprochen interessiert und wollten ganz genau wissen, was da gerade vor sich geht. Ganz vereinzelt gab es die Befürchtung, wir könnten schließen. Diese Fehleinschätzung konnten wir dann aber zum Glück immer schnell ausräumen. Wir sind jetzt seit mittlerweile 21 Jahren als ROLF BENZ HAUS im stilwerk Berlin ansässig – und damit quasi das internationale Aushängeschild der Marke ROLF BENZ in der Bundeshauptstadt. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Mit dem einzigen Unterschied, dass wir für unsere Kunden durch den Umbau jetzt noch attraktiver geworden sind.

ROLF BENZ zählt seit über 50 Jahren zu den Wegbereitern deutscher Designkultur. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

„Made in Germany“ ist für viele Kunden nach wie vor ein ganz wichtiges Argument. Auch der Schwarzwald-Hintergrund kommt, glaube ich, immer sehr gut an. Am allerwichtigsten ist aber sicherlich die außergewöhnlich gute Qualität, die die Firma ROLF BENZ seit Jahrzehnten zuverlässig liefert. Dazu ein kleines Beispiel: Bei uns kommen immer wieder mal Kunden an, die sich vor 15 oder 20 Jahren ein ROLF BENZ Sofa gekauft haben. Die Möbel sind nach wie vor top in Schuss und müssen nicht mal aufgepolstert werden. Unsere Kunden wünschen sich lediglich einen neuen Bezug. Das Sofa funktioniert ja schließlich noch tadellos. Selbst nach so vielen Jahren. Damit passt ROLF BENZ doch perfekt in eine Zeit, in der Nachhaltigkeit immer wichtiger wird. Vor diesem Hintergrund ist natürlich auch das zeitlose ROLF BENZ Design ein entscheidender Erfolgsaspekt. Nicht zu vergessen die erstklassige Funktionalität. Dabei sind Sofas von ROLF BENZ niemals „Sitzmaschinen“, sondern immer zeitlos elegant.

Das ROLF BENZ Sortiment bietet inzwischen ja eine riesige Produktauswahl für unterschiedlichste Wohnstile: loungige Wohnlandschaften zum Relaxen, kubische Sofa-Klassiker, flexible Multifunktionsmöbel – und sogar Stühle, Esstische, Betten und Accessoires. Gibt es aus Ihrer Sicht eigentlich den typischen ROLF BENZ Kunden?

Nach meiner Erfahrung eher nicht. Früher war das vielleicht mal so. Da waren es oft die älteren Semester, die sich hochwertige ROLF BENZ Möbel ins Wohnzimmer geholt haben. Heute kann man das so pauschal nicht mehr sagen. Aus meiner Sicht spricht ROLF BENZ mit seinem vielseitigen Angebot inzwischen breitere Käuferschichten und unterschiedliche Altersklassen an. Natürlich greift man auch bei ROLF BENZ gewisse Trends auf. Aber die Möbel sind dabei niemals übertrieben trendy. In jedem Möbelstück bleibt die Handschrift von ROLF BENZ immer klar erkennbar. Typisch für ROLF BENZ Kunden ist aber auf jeden Fall der hohe Qualitäts- und Design-Anspruch. Und gerade dieses Publikum ist hier im stilwerk Berlin natürlich besonders stark vertreten. 

Haben Sie eigentlich ein persönliches Lieblingsprodukt, Herr Chomatopoulos?

Da muss ich kurz nachdenken. Es gibt da ja inzwischen so wahnsinnig viele tolle Produkte.

Aber wenn Sie mich nach meinem aktuellen Liebling fragen, dann ist das ganz klar das Sofasystem ROLF BENZ LIV vom italienischen Designer Luca Nichetto. Das ist wirklich ganz große Klasse. Internationales Design auf allerhöchstem Niveau. Und dabei nicht nur wahnsinnig elegant, sondern auch unglaublich flexibel einsetzbar. Da komme ich richtig ins Schwärmen.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Wohnstil beschreiben?

In meinem Wohnzimmer steht ein Schreibtisch, ein Medienmöbel, ein Sofa und ein Schrank. That’s it. Ich finde weniger ist mehr. Das klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber das ist mir wirklich sehr wichtig und trifft es wohl am besten. Was ich überhaupt nicht brauche, ist eine total vollgestellte Wohnung. Ich bevorzuge einzelne Möbelstücke von hoher Qualität, die mir hundertprozentig gefallen. Da verzichte ich dann auch gerne mal auf den dritten Beistelltisch oder die vierte Leuchte und hab dann lieber genau die Sachen in meiner Nähe, die ich auch wirklich längerfristig um mich haben will.

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, Herr Chomatopoulos. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Spaß und Erfolg im neu gestalteten ROLF BENZ HAUS Berlin. 

Bilder: Sandro Jödicke | whitedesk

STUMMER DIENER, STARKES DESIGN

Manche Dinge sind schön. Manche Dinge sind praktisch. Und manche Dinge sind beides: schön und ganz schön praktisch. Der stumme Diener Rolf Benz 908 zählt klar zur letztgenannten Kategorie. Er dient wahlweise als Ankleide-, Garderoben-, Tuch- oder Taschenassistent, wirkt in jeder ihm anvertrauten Rolle ausnehmend elegant und könnte ohne weiteres auch als skulpturales Kunstwerk reüssieren. Das adrette Multitalent basiert auf einem Entwurf des Kölner Designstudios kaschkasch, das 2011 von Florian Kallus und Sebastian Schneider gegründet wurde. Wir sprachen mit den beiden ausgebildeten Tischlern und studierten Produktdesignern über ihre Arbeit, ihre Liebe zum Handwerk und die Zukunft des Wohnens.  

Hallo Florian, hallo Sebastian. Erzählt uns doch mal, wie es zur Kooperation mit Rolf Benz kam und was die Zusammenarbeit auszeichnet?

Florian Kallus: Wir stehen seit mehreren Jahren in Kontakt mit Rolf Benz und tauschen uns regelmäßig über unsere Arbeiten und neue Ideen aus. Firmen wie Rolf Benz – mit hauseigener Produktion – sind für uns als Designer immer ein großer Segen. Es ist einfach toll, die handwerkliche Arbeit am Standort Deutschland mitzuerleben und zu begleiten. Die Zusammenarbeit mit Rolf Benz macht uns unglaublich viel Spaß. Die Prototypen-Meetings sind immer äußerst produktiv und noch dazu sehr freundschaftlich. Die besprochenen Details können im Anschluss direkt ausprobiert werden. Das ist ein großer Vorteil. Als wir unseren Entwurf für den stummen Diener Rolf Benz 908 präsentierten, war man bei Rolf Benz auf Anhieb begeistert – und es konnte mehr oder weniger direkt losgehen.

Sebastian Schneider: Wir sind immer bestrebt Partner zu finden, die mit uns auf einer Wellenlänge sind. Partner, die unser Verständnis für gute Gestaltung teilen und wie wir den Anspruch haben, immer das beste Ergebnis aus dem jeweiligen Entwurf herauszukitzeln. Bei Rolf Benz hatten wir von der ersten Minute an das Gefühl: Ja, das passt! Die hohe Qualität und Professionalität haben uns sofort überzeugt.

Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Arbeit?

Florian Kallus: Für mich persönlich kann alles Mögliche als Inspirationsquelle dienen. Ein gutes Gespräch, ein plötzlicher Gedanke, spannende Architektur, ein Detail im Straßenbau oder die Arbeit eines Künstlers. Für den stummen Diener hat uns Pablo Picasso mit seinen One Line Drawings inspiriert. Eine sehr starke Serie. Seit ich die Zeichnungen das erste Mal gesehen habe, gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Grundsätzlich ist die freie Kunst für mich ein sehr ergiebiges Feld. Sie unterscheidet sich zwar meist deutlich vom Design, aber es gibt doch auch gewisse Parallelen. 

Sebastian Schneider: Das ist bei mir im Grunde ganz ähnlich. Manchmal finde ich Inspiration in ganz normalen Alltagsdingen. Wenn ich zum Beispiel den Mülleimer in der Fußgängerzone genau inspiziere und alle um mich herum denken: Was macht der Typ da? Manchmal inspiriert mich Florian. Wenn er mir beispielsweise eine Skizze von einem Spiegel zeigt und ich spontan eine Leuchte darin sehe. Und manchmal entsteht Inspiration auch im ganz konkreten Arbeitsprozess. Wenn ein Projekt auf einmal eine ganz andere Richtung nimmt als gedacht. Aber gestalterische Arbeit ist ja doch noch viel mehr als Inspiration. Es ist letztlich ein Handwerk. Man muss sich – so ist es zumindest bei uns – Stück für Stück seinem Ziel annähern. Inspiration allein reicht da nicht. Man hat nicht einfach eine gute Idee und der Rest läuft von allein. Ganz so einfach ist es nicht.

Florian Kallus, Design Studio Kaschkasch

„Für den stummen Diener hat uns Pablo Picasso mit seinen One Line Drawings inspiriert. Eine sehr starke Serie. Seit ich die Zeichnungen das erste Mal gesehen habe, gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. “

Stichwort Vielseitigkeit: Sowohl das neue Möbelprogramm Rolf Benz 931 (Couchtisch, Regal, Servierwagen) als auch der stumme Diener Rolf Benz 908 sind äußerst vielseitig und können auf unterschiedlichste Art eingesetzt werden. Muss ein Objekt bei euch immer mehrere Funktionen erfüllen?

Sebastian Schneider: Nein, manchmal schadet das einem Entwurf sogar. Aber grundsätzlich spielen Funktion und Benutzerfreundlichkeit in unseren Entwürfen eine zentrale Rolle, über die wir im Team oft diskutieren. Ich mag Multifunktionalität. Aber nur, wenn sie subtil daherkommt und einen legeren Charakter aufweist.

Florian Kallus: Ich denke, ein Stuhl ist ja auch nicht nur ein Stuhl. Je nachdem wie man ihn benutzt, kann er auch gerne mal als stummer Diener, Nachttisch oder Türstopper herhalten. Multifunktionalität empfinde ich bei Möbeln deshalb als durchaus erstrebenswert.

In welcher Wohnumgebung würdet ihr Rolf Benz 908 bzw. Rolf Benz 931 platzieren? Sind die Möbel einem bestimmten Wohnstil zugeordnet?

Florian Kallus: Der stumme Diener funktioniert meiner Meinung nach in nahezu jedem Wohnumfeld. Ganz egal, ob es ein begehbarer Kleiderschrank, ein Schlafzimmer oder ein Wohnzimmer ist – den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. 

Sebastian Schneider: Die Grenzen zwischen den verschiedenen Wohnräumen lösen sich ja ohnehin mehr und mehr auf. Esszimmer, Wohnzimmer und Küche sind heute oft ein und derselbe Raum. Auch verschiede Wohnstile werden immer stärker kombiniert. Und in Zeiten von Homeoffice nimmt neuerdings ja sogar der Bürostuhl am Esstisch Platz. Speziell die Möbel der Serie Rolf Benz 931 sind dank der Rollen sehr flexibel und können mühelos von A nach B bewegt werden. Ich sehe sie nicht an einem speziellen Ort oder in einer spezifischen Umgebung. Die Möbel sollten so eingesetzt werden, wie es der Besitzer für richtig hält und gut findet.

Quarantäne, Kontaktbeschränkungen, Homeoffice – in den letzten Monaten haben viele Menschen deutlich mehr Zeit daheim verbracht. Inwiefern verändert diese Entwicklung das Zuhause? Wie sieht die Zukunft des Wohnens aus?

Florian Kallus: Das ist eine Frage die natürlich auch uns umtreibt – auch schon vor der Pandemie. Ich persönlich denke, dass Räume künftig noch vielseitiger genutzt werden. Aber auch wenn ich selbst gut auf der Couch über Entwürfe nachdenken kann, empfinde ich klar definierte Räume – wie etwa unser Atelier – als sehr fokussierend. Darauf möchte ich auf keinen Fall verzichten. Die Wahrheit liegt wie so oft wohl irgendwo dazwischen. Fest steht: Wohnen wird flexibler. Und bleibt auf jeden Fall spannend. 

 

Bilder: Thomas Wiuf Schwartz

Chic in Japan
ROLF BENZ goes Tokio

Drängeln, schimpfen, schubsen? Nicht im Land der aufgehenden Sonne. Gut, dass die Japaner so ausnehmend höflich und diszipliniert sind. Geht es doch gerade auf Tokios Straßen meist überaus beengt zu. Mit einer doppelt so hohen Bevölkerungsdichte wie Berlin, zählt die japanische Hauptstadt zu den dichtbesiedeltsten Gebieten der Welt. Im Ballungsraum Tokio leben so viele Menschen wie in ganz Kanada. Über 38 Millionen. In Tokios angesagtem Luxusviertel Aoyama drängen sich indes nicht nur die Menschen. Auch die Dichte erlesener Fashion- und Interior-Labels ist hier bemerkenswert hoch.

Das Who’s who internationaler Luxusmarken

Anspruchsvolle Shopping-Fans finden in Aoyama und dem benachbarten Omotesando alles, was das luxusverliebte Herz begehrt. Umrahmt wird das Shopping-Erlebnis der Premiumklasse von städtebaulichen Highlights namhafter Architektur-Granden wie Tadao Ando, Kengo Kuma und Fumihiko Maki. Hinzu kommen kulturelle Hotspots wie das bekannte Nezu-Museum oder die Blue Note Tokyo Jazz-Bar. Seit 24. Januar 2020 ist die elegante Einkaufsgegend um eine weitere Attraktion reicher: ein ROLF BENZ Flagship Store, der erste auf japanischem Boden.

Stilvolle Wohnwelten „Made in Germany“

Auf 300 Quadratmetern präsentiert ROLF BENZ stilvolle Wohnwelten „Made in Germany“. Das Store-Konzept basiert auf einem Entwurf von Studio Labs Hamburg, ein langjähriger Partner von ROLF BENZ. Der imposante Flagship Store richtet sich nicht nur an betuchte Privatpersonen. Auch japanische oder in Japan tätige Architekten und Gestalter gehören zur Zielgruppe. Dabei wird individuelle Beratung großgeschrieben. Eigens am Stammsitz in Nagold geschulte Store-Mitarbeiter unterstützen die Kunden in allen Fragen rund um ihre Projektvorhaben. Natürlich stets ausgesprochen höflich und zuvorkommend. So Japan-like wie in allen ROLF BENZ Markenstores weltweit.

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ROLF BENZ IMM 2020 virtual tour.
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imm cologne 2020
Neue Wohnideen für die neuen Zwanziger

Vorsatz zum Jahreswechsel: mehr Achtsamkeit. Leichter gesagt als getan. Schließlich dreht sich die Welt auch 2020 in gefühlter Überschallgeschwindigkeit weiter. Und kaum haben die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts so richtig begonnen, sorgt die erste internationale Möbelmesse des neuen Jahrzehnts auch schon wieder für atemloses Staunen.

1.233 Aussteller und über 128.000 Besucher aus allen Teilen der Welt zählte die imm cologne 2020, die am 19. Januar in der Rheinmetropole zu Ende ging. Was aber bleibt vom gigantischen Schaulaufen der internationalen Möbelbranche? Unzählige Eindrücke. Spannende Impulse. Und die erfreuliche Erkenntnis, dass es manchen Möbelherstellern immer wieder gelingt, das Publikum mit avantgardistischem Denken und progressivem Design zu begeistern.

Auch Rolf Benz sorgte wieder für frischen Wind in der Domstadt – mit initialen Möbelkonzepten für eine neue Zeit. Die Highlights im Überblick.

Schwarzwälder Qualität und italienischer Chic

Wer auf der internationalen Möbelmesse in Köln nach zukunftsweisenden Wohnlandschaften suchte, kam am Stand von Rolf Benz kaum vorbei. Das lag nicht zuletzt am visionären Living Concept Rolf Benz LIV. Schon im Messevorfeld wurde Rolf Benz LIV mit dem Stylepark Selected Award imm cologne 2020 ausgezeichnet, der als wichtiger Messe-Wegweiser gilt.

Bestehend aus modularen Sofaelementen, Regalen und Couchtischen atmet Rolf Benz LIV ein kosmopolitisches Lebensgefühl mit einem Hauch von Luxus. Entstanden ist das Living Concept, das in Köln Premiere feierte, in Kooperation mit dem italienischen Designbüro Nichettostudio. „Unsere Absicht war es, ein Sofasystem zu entwickeln, das sich den multiplen Bedürfnissen des zeitgenössischen Wohnraums anpasst. Es sollte endlose Möglichkeiten bieten, um für jede Situation die richtige Kombination zu finden“, erklärt Designer Luca Nichetto. Das hochflexible Sofasystem kombiniert geometrische Strenge mit lässigem Komfort. Sitzkissen, Sofarücken und Seitenteile können individuell zusammengestellt werden. Integrierbare Regale bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.

Auch ein mit dem neuen Sofasystem perfekt harmonierender Couchtisch wurde in Köln präsentiert. Rolf Benz 901 greift die geometrische Formensprache von Rolf Benz LIV gekonnt auf und ist in quadratischer oder rechteckiger Ausführung jeweils in zwei Höhen erhältlich. Der mühelos mit einer Hand bugsierbare Beistelltisch Rolf Benz 902 fügt sich ebenfalls perfekt ins Gesamtbild ein, präsentiert sich als flexibler Alltagsbegleiter quer durch alle Wohnbereiche und bietet genau wie Rolf Benz 902 Tischplatten aus Naturstein oder Klarglas.

Dining deluxe

Auch der Hunger nach neuen Dining-Konzepten wurde auf der imm cologne 2020 gestillt. So trafen besonders der ebenso gemütliche wie elegante Schalenstuhl Rolf Benz 600 sowie das fast schon skulptural anmutende Tisch-Pendant Rolf Benz 929 den Geschmack des anspruchsvollen Publikums. Für die Gestaltung des attraktiven Dining-Ensembles zeichnete das Design-Duo Hoffmann & Kahleyss aus Hamburg verantwortlich.

Die Designer gaben dem klassischen Schalenstuhl einen neuen, eigenständigen Look und achteten dabei konsequent auf höchsten ergonomischen Komfort. Die Sitzschale präsentiert sich in umbragrauem bzw. anthrazitfarbenem Kunststoff – oder alternativ in fünf möglichen Farbvarianten mit Kernleder bezogen – und wird mit einem gehefteten Sitz- und Rückenkissen bestückt. Je nach Vorliebe kann die Schale mit einem festen oder drehbaren Gestell aus Holz oder Metall kombiniert werden. Verschiedene Bezugs- und Gestellvarianten bieten allerhand Freiraum, um dem persönlichen Geschmack Ausdruck zu verleihen.

Wie der Schalenstuhl Rolf Benz 600 präsentiert sich auch der Dining Tisch Rolf Benz 929 als veritabler Blickfang. Die Tischplatte gibt es jeweils in drei Größen in Massivholz- oder Natursteinausführung. Die Tischsäule aus gelochtem Metall in Umbragrau, Schwarz oder Stahl (matt lackiert) entfaltet eine subtile transparente Wirkung und vermittelt eine charmante Leichtigkeit.

Kunst im Raum

Kommen wir vom Dinner zum Diener. Inspiriert von den Strichzeichnungen Pablo Picassos geht der stumme Diener, den das Kölner Designstudio kaschkasch für die Rolf Benz Accessoires-Kollektion ersonnen hat, fast schon als modernes Kunstwerk durch. Der in drei unterschiedlichen Lackierungen erhältliche Flexible Servant Rolf Benz 908 besteht aus einem einzigen kunstvoll gebogenen und dabei stets wohl proportionierten Stahlrohr. Die beiden Rohrenden fußen in einem soliden Stahlsockel. Ob als Plaid- oder Leuchtenhalter, Ankleide-, Garderoben-, Tuch- oder Taschenassistent – mit graziler Leichtigkeit erledigt der flexible Diener sämtliche ihm anvertrauten Aufgaben mit Bravour und macht dabei immer eine ausgezeichnete Figur.

Der Anfang ist gemacht. Was die 2020er Jahre in Sachen Interior Design wohl noch so alles bringen werden? Wir bleiben achtsam und melden uns wieder.

Universelle Schönheit

Luca Nichetto ist einer der gefragtesten Designer weltweit. Der Venezianer mit Wohnsitz in Stockholm steht wie kaum ein anderer für eine moderne Wohnlichkeit. Nun hat er für Rolf Benz das Sofasystem "Liv" entworfen. Wir haben ihn zum Interview in seinem Studio getroffen.

Fabian Peters: Auf der imm cologne 2020 feiert "Liv" Premiere, ein neues Sofa, das Du für Rolf Benz entworfen hast. Dieser Name hat eine ganz besondere Bedeutung für Dich, oder?

Luca Nichetto: Absolut! "Liv" ist nämlich der Name meiner Tochter. Außerdem bedeutet "Liv" auf schwedisch "Leben". Das erschien uns sehr passend, weil unser Sofa dazu einladen soll, wirklich mit ihm zu leben.

Letztes Jahr hat Rolf Benz mit "Addit" von Werner Aisslinger bereits ein hoch zeitgemäßes Sofasystem vorgestellt. Was wünschte sich das Unternehmen für "Liv"?

"Liv" soll ganz unterschiedlichen Nutzergewohnheiten gerecht werden. Rolf Benz wünschte sich ein Sofasystem, das überall auf der Welt und in beinahe jeder Umgebung funktioniert. In Skandinavien sind die Sofas zum Beispiel traditionell relativ hoch, während man es in Italien eher niedrig und loungig mag. Beides sollte mit "Liv" darstellbar sein.

Gab es so etwas wie eine Ausgangsüberlegung, mit der Ihr an diese anspruchsvolle Aufgabe herangegengen seid?

Ganz entscheidend war für uns beim Entwurf, dass die Stärken von Rolf Benz voll zum Tragen kommen. Wir wollten ein modulares System entwickeln, dass deutsche Ingenieurskunst mit einem Touch italienischem Design verbindet. Neben der unglaublichen handwerklichen Qualität hat uns vor allen Dingen die Fähigkeit von Rolf Benz fasziniert, seinen Kunden praktisch jede denkbare Konfiguration eines Möbels anbieten zu können. So etwas kennt man vielleicht aus der Autoindustrie – bei einem Polstermöbelproduzenten hatte ich das dagegen zuvor noch nie erlebt. Ich vermute, es ist weltweit einmalig.

"Liv" ist praktisch in jeder Größe konfigurierbar. Kann es da trotzdem so etwas wie eine einheitliche ästhetische Wirkung geben, die das Sofa in allen Ausführungen erzielt?

"Liv" soll vor allen Dingen Leichtigkeit vermitteln. Das Sofa soll fast schwebend wirken, nichts soll schwer und massig sein. Mir ging es bei der Gestaltung weniger um die Ästhetik, als darum, ein Gefühl zu vermitteln. "Liv" soll genau den Komfort ausstrahlen, den man beim Sitzen verspürt. Und zwar als Sitzlandschaft im 200 Quadratmeter großen Wohnzimmer einer Villa in Miami wie als Zweisitzer in einem luxuriösen Mikroapartment in Hong Kong.

Ein Sofa zu entwickeln, dass auf allen Kontinenten zu Hause und in fast unbegrenzten Kombinationen lieferbar ist – das erscheint beinahe als eine "Mission Impossible"?

Ja, das ist ein wenig eine "Mission Impossible"! (lacht) Aber als Designer habe ich immer den Ehrgeiz, etwas zu schaffen, was jedem Menschen überall auf der Welt gefällt. Und ich denke, das ist ein guter Ehrgeiz. Denn er treibt mich an, die größtmögliche Anstrengung zu unternehmen, um mein Ziel zu erreichen. Ich glaube, ein Designer braucht diesen Glauben an sich selbst – den Glauben, für jeden Menschen Schönheit schaffen zu können. Letztendlich ist das Wesentliche meiner Designs – egal, in wie vielen Varianten sie lieferbar sind – dass sie meine Persönlichkeit, meine Erfahrungen und meinen Überzeugungen widerspiegeln.

Welche Bedeutung hat die technische und handwerkliche Expertise von Rolf Benz für Euren Entwurf?

Dieses Können ist einer der Schlüssel für unsere Designs. Bestimmte Details, etwa die Füße und den Rahmen aus Metall, konnten wir überhaupt nur deswegen so gestalten, weil wir wussten, dass bei Rolf Benz die Kompetenz vorhanden ist, solche Teile in höchster Präzision zu fertigen. An diesen Elementen zeigt sich für mich auch das typisch deutsche Qualitätsbewusstsein, das an "Liv" genauso ablesbar sein sollte, wie die italienische Handschrift des Designers.

Welche Rolle spielen Farben und Materialität für Dich?

Die Wahl der Farben und Materialien sind in meinem Entwurfsprozess zentral. Für mich ist es undenkbar, ein Design zu entwickeln, ohne zuvor diese beiden Punkte festgelegt zu haben. Farben und Materialien sind für mich niemals beliebig austauschbar.

Deine Designs zeichnen sich durchgängig durch ein bemerkenswertes Gespür für Farbnuancen aus. Wie hast Du die Farbwelt für "Liv" entwickelt?

Meiner Meinung nach ist die Natur ist immer der beste Designer. Ein enger Freund, der Fotograf Massimo Gardone, macht wunderbare Aufnahmen von Blumen. Vor Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem skandinavischen Farbinstitut aus seinen Naturaufnahmen eine Farbpalette entwickelt, auf deren Grundlage wir seitdem unsere Entwürfe entwickeln. Für "Liv" ging es uns darum, dass die Farbwelt Wärme vermittelt. Dunkelrot und Ockertöne spielen deshalb eine Hauptrolle.

Du hast ergänzend zu dem Sofa auch noch weitere Möbel entworfen.

Gemeinsam mit den Polsterelementen haben wir zwei Tische gestaltet, die die Formensprache und Materialität des Sofas exakt aufgreifen. Unser Couchtisch ruht auf einem Gestell, das von der Unterkonstruktion des Sofas abgeleitet ist. Ein kleiner Beistelltisch, der ebenfalls einen Rahmen aus Metall besitzt, bringt dagegen eine etwas spielerische Note in die Kollektion. Ich versuche immer, ein großes Möbel, wie hier das Sofa, mit kleineren Entwürfen zu bereichern, die der Designidee einen anderen Spin geben.

Und das Sofa selbst kann um Anbauelemente ergänzt werden.

Richtig! Man kann "Liv" um Regale mit Ablageflächen erweitern. Sie können an die Stelle der Seiten- oder Rückelehne treten. Die Regale beziehen ihren optischen Reiz von den Einlegeplatten aus Naturstein oder Glas – dieselben Materialien, die wir auch für die Platten der Tische verwenden. Durch diese Anbauelemente hat man seine Bücher, sein iPad oder auch den Schnuller für sein Kind sofort zur Hand. Unsere Idee war es tatsächlich, mit "Liv" ein Sofasystem zu schaffen, das sich auf beinahe jede Situation des Lebens zuschneiden lässt.

Autor: Fabian Peters, Stylepark
Bildergalerie 1: James Stokes, Stylepark
Bildergalerie 2,3,5: Sandro Jödicke, Whitedesk 
Motiv 1, Bildergalerie 4: Alexander Huber

Boatmovie
DIE HAFEN-AUFMÖBLER

Ob Sessel, Sofa, Couchtisch, Stadtvilla, Landhaus, Concept Store, Restaurant oder Hotel – das umtriebige Designstudio „labsdesign“ passt in keine Schublade und überrascht immer wieder mit außergewöhnlichen Ideen. Jüngster Clou der vielfach ausgezeichneten Hamburger Kreativen ist ein eigener Bildband namens „Boatmovie“, eine Hommage an zeitloses Möbeldesign und eine Liebeserklärung an den Hamburger Hafen.

"Neben unseren Auftragsarbeiten nehmen wir uns zwischendurch immer wieder Zeit für eigeninitiierte Foto- und Kunst-Projekte“, erklärt Studiogründer Sebastian Labs. „Irgendwann entstand bei uns die Idee, einige der für ROLF BENZ entworfenen Möbel in einem völlig neuen Kontext zu inszenieren und frische Hamburger Hafenluft schnuppern zu lassen. Dazu haben wir die Möbelstücke auf unsere studioeigene Barkasse gepackt und sind auf der Suche nach spektakulären Schauplätzen kreuz und quer durch den Hamburger Hafen gefahren. Mit an Bord waren der Stuhlsessel ROLF BENZ 641, die gepolsterte Fußbank Rolf Benz 945, die beiden Lounge-Sessel ROLF BENZ 384 und 394 sowie die vier Couchtische ROLF BENZ 985, 927, 923 und 933.“

„Das Hafengebiet gehört mit all seinen unterschiedlichen, authentischen und manchmal fast schon poetisch wirkenden Ecken und Kanten zum Umfeld unseres kreativen Schaffens“, sagt Gunther Kleinert von labsdesign. „Unsere Barkasse nutzen wir gerne, um den Blickwinkel zu ändern und außerhalb der vier Bürowände auf neue Ideen zu kommen. Im Rahmen des Fotoprojekts Boatmovie haben wir bevorzugt Orte angesteuert, an denen man schicke Designermöbel wohl am allerwenigsten vermuten würde. Dabei war für die Neuinszenierung der Möbelstücke nicht selten akrobatischer Körpereinsatz gefragt“, so Kleinert.

Wir finden, der Einsatz hat sich gelohnt und freuen uns schon auf die nächsten fangfrischen Ideen aus der Hansestadt.